René Pollesch

Gasoline Bill

Die Krise fängt bei jedem selbst an. Beim unverschämten Blick des Anderen aus dem Spiegel, der klar macht, dass nicht die Innerlichkeit, sondern das Außen zählt, und dass die stets traumatische Erfahrung der Liebe nur auszuhalten ist, solange wir es schaffen, einander fremd zu bleiben. Oder sind wir am Ende tatsächlich einfach nur Mit-Menschen, Helfershelfer oder Co-Calvinisten, die eifrig daran arbeiten, dass sich nichts ändert?

Zwischen Film-Zitaten, psychoanalytischer Theorie und hysterisierenden Überlegungen zur unerträglichen Schwierigkeit des Seins fragt René Pollesch nach den Möglichkeiten politischen Handels im 21. Jahrhundert. Nach der Möglichkeit, einen schönen neuen Kapitalismus zu kritisieren, in den man immer schon auf irgendeine Art verwickelt ist, der sich nicht mehr von außen betrachten lässt, und der alles was man sagt, fühlt oder lebt, bereits im selben Moment vereinnahmt.
(Münchner Kammerspiele)

Stimmen zum Stück:

Jacques Lacan, Slavoj Zizek, Max Weber und die Beastie Boys sind die geistigen Paten der ehrenwerten Gesellschaft, die dort angeblich besoffen, aber für Pollesch-Verhältnisse doch beinahe aufgeräumt über das radikale Anderssein des Anderen debattiert und dass es auf Dauer nur trauriger macht, mit Greenpeace Delphine zu retten, und warum man im Theater so gut an einen verlorenen Füller denken kann. Schließlich sind, frei nach Lacan, die Schauspieler dazu da, dem Publikum die Last seiner Emotionen abzunehmen, damit es sich in Ruhe mit den wirklich wichtigen Dingen des Alltags beschäftigen kann.

Aber wer entlastet die Schauspieler ? Und wer sorgt dafür, dass endlich damit aufgehört wird, alles zu tun um zu verhindern, dass wirklich etwas geschieht?
(Silvia Stammen, Theater Heute, Januar 2014)


Das Gefühl überhaupt, als positiv empfundener Wert, als Möglichkeit, dem anderen nah zu sein, wird hier nach allen Regeln der Kunst demontiert, die Möglichkeiten der Sprache als Verstehensvehikel werden bezweifelt (wenn auch eifrig benutzt) und das Begehren, das sich doch am Ende immer nur selbst begehrt, ist auch höchst zweifelhafter Natur. das ist bei pollesch alles nicht neu, aber der Meister des Theaterserienformats verwebt es hier doch zu einem dichten Teppich seines antiempathischen, kühlen Weltbildes, wie es das noch nicht gab.
(Peter Michalzik, Programmbuch der Mülheimer Theatertage 2014)

Technische Daten:

Uraufführung 16.11.2013, Münchner Kammerspiele
Regie René Pollesch
Personenzahl variabel (2 Damen, 4 Herren)
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