Moritz Rinke

Die Optimisten

Eine bunt gemischte Gruppe deutscher Bildungsurlauber ist gestrandet. Im nepalesischen Lumbini, dem Geburtsort Buddhas, musste der Reisebus mit defekter Kurbelwelle in die Werkstatt. Meinungsverschiedenheiten, Konkurrenz- und Generationenkämpfe brechen aus, doch bald schon verlagern sich die Probleme: Plötzlich ist das Hotelpersonal verschwunden und mit ihm sämtliche Essensvorräte. Dann wird ein mitreisender Wirtschaftsethiker tot in seinem Zimmer aufgefunden, dann der Busfahrer vermisst, und schließlich tauchen Kisten mit Waffen auf. Die Reisenden werden von unbekannten Mächten im Hotel festgesetzt. Unsanft aus ihrem westeuropäischen Watteleben hinauskatapultiert, finden sie sich einer rauen sozialen Wirklichkeit und politischen Entwicklungen gegenüber, die brutal zurückschlagen und ihnen in der Fremde gnadenlos vor Augen führen, wie fremd sie sich letztlich selber sind.
(Rowohlt Theaterverlag)

Stimmen zum Stück: "Moritz Rinke folgt dem (bereits) mit "Republik Vineta" eingeschlagenen Weg: Er hat ein Stück zur Stimmung der Zeit geschrieben. Und wieder verbirgt sich dahinter die liebevoll-bösartige Abrechnung mit einer gesellschaftlichen Gruppe, mit kleinen Heiligtümern und banalisierten Ideologien. Standen bei dem vorausgegangenen Text noch die deutsche Sozialdemokratie, die Arbeitswelt der "Neuen Mitte" und das "Ende der Arbeit" im Mittelpunkt seines kritischen Interesses (der Text hat inzwischen nichts an Aktualität verloren), sind es jetzt die Grünen-Wähler, die Globalisierungsgegner und Utopisten; all jene, die sich in den achtziger und neunziger Jahren eine Veränderung der Welt zum Besseren erhofft hatten: Optimisten eben. Gnadenlos wie im vorausgegangenen Text schickt Rinke die Weltverbesserer auf einen Weg in die Hölle, und wieder nimmt, was als leichte, ironische Komödie begann, die denkbar härteste Wendung. (…) Hier wird niemand vor sich selbst beschützt, hier werden keine Restheiligtümer verschont. Die Figuren treiben sich und einander in die Sackgassen des Denkens und Handelns, ohne aus eigener Kraft wieder heraus zu finden. Das ist unterhaltsam für den Zusehenden bis zu dem Moment des Sich-Wiedererkennens und des Antastens persönlicher Ideale."
(Peter Spuhler in: Jahrbuch der Zeitschrift Theater Heute, 2003)

" Moritz Rinke nimmt sich in seiner gewitzten Globalisierungs-Farce die Freiheit, die Phraseologie und Rituale westlicher Gutmenschen und scheinbar überlegener Betroffenheitstouristen ad absurdum zu führen. Seine Mittel: Scherz, Satire, Ironie - und eine tiefere Bedeutung. (…) Rinke verhehlt (dabei) nicht den Notstand der Welt, er zeigt nur, satirisch zugespitzt - unter Zuhilfenahme von Floskeln, die er dem Polit- und Alltagsgeschwätz der sozialdemokratischen Neuen Mitte ablauscht -, unsere liebe Not damit."
(Christine Dössel in : Programmheft der Mülheimer Theatertagem Stücke 2004)

Technische Daten

Uraufführung 22.11.2003, Schauspielhaus Bochum
Regie Matthias Hartmann
Personenzahl 3 D, 4 H
Rechte Rowohlt Theater Verlag
Hamburger Str.17
21465 Reinbek
Tel. 040/ 72 72 270, Fax 040/ 72 72 276
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