Nis-Momme Stockmann

Die kosmische Oktave

„Die kosmische Oktave“ – das sind acht Texte, die im Laufe einer gedanklichen Auseinandersetzung mit Goethes Wahlverwandtschaften entstanden sind. Vier Monologe, die in keiner expliziten chronologischen Ordnung stehen und sich mit den vier Hauptfiguren des Romans auseinandersetzen. Und vier kleinere Zusatztexte, die im weiteren Verlauf der Proben und im Dialog mit Regisseur und Spielern entstanden sind.

Es handelt sich dabei nicht um eine klassische Dramatisierung (also Handlungsüberführung). Vielmehr ist es ein Versuch, das „Aroma“ von Goethes Figuren aufzunehmen und sie auf eine andere Textform und ein anderes Sujet zu überführen. Nicht ohne Grund. Goethes vier Hauptfiguren sind genau wie der postmoderne Mensch Teilhaber einer Gesellschaft im ideologischen Umbruch (und einer dadurch drohenden Erosion jeder größeren Wahrheit).

Stockmann spürt den Grundbedingungen des Romans nach und interessiert sich für die Entsprechungen der Kräfte und Rollen dieser Figuren im Heute. Die Arbeit beschäftigt sich so mit dem Stand der alten Werte und Wirklichkeiten - und mit möglichen Auswegen aus einem sich globalisierenden Relativismus und einer Krise der Begrifflichkeiten, durch die wir daran gehindert werden, uns zu verbinden, Schönes zu denken, Schönes zu empfinden, schön sein zu können.
(Verlag schaefersphilippen)

Stimmen zum Stück:

Diesen Erinnerungen, die überquellen von großartig beobachteten Details, von Wahrheit und schlecht verheiltem Kummer, stellt sich Regisseur Ulrich Rasche mit der ihm eigenen Feierlichkeit. Das Ergebnis ist ein Drei-Stunden-Musik-und-Text-Theater zum Wahnsinnigwerden und Dahinschmelzen, ein Abend, den man entweder ergriffen und mitgerissen aufsaugt oder Haare raufend verlässt. Ein geradezu unheimlich konsequentes Happening, das so geduldig ist mit seiner Vorlage, dass es fast zwangsläufig ungeduldig macht, das beweist, dass der Grat zwischen spröde und öde sehr schmal ist, und das fasziniert und betört. Dabei ist das, was diesen doch sehr privaten Stockmann-Text eigentlich ausmacht, das unbarmherzig unpathetische Luft-Rauslassen aus dem eigenen Show-Zynismus, die lakonische (und bisweilen garstig-komische) Selbstbespiegelung eines Künstlers, der einsehen muss, dass er in seiner Kitschangst und den ewig wiederholten Abgeklärtheitsphrasen alle Lebensperspektiven verloren hat. (…) Ulrich Rasche und Stockmann (geht es) am Ende um etwas anderes, um die Rehabilitation des ganz großen, des unverstellten Gefühls – ein Ziel, das sie mit staunenswerter Verve erreichen. "Die kosmische Oktave", die so viel Zeit darauf verwendet, im Zweckpessimismus gegen die bürgerlichen Beziehungsformen zu wettern, kulminiert so in einem von Schmerzen angefeuerten Gefühls- und-Treue-und-Wahrhaftigkeits-Fanal, das sich gewaschen hat – vor allem, weil es sich seiner ideellen Naivität nicht schämt.
(André Mumot in Nachtkritik, 21.03.2014)

Technische Daten:

Uraufführung 21.3.2014, Sophiensaele, Berlin
Regie Ulrich Rasche
Personenzahl variabel
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