Ulrike Syha

Autofahren in Deutschland

Hugo, ein Grafikdesigner, spezialisiert auf virtuelle Mammuts, fährt in seinem Auto durch die Nacht - auf der Flucht vor sich, der Steuerfahndung oder einer undurchschaubaren Verschwörung, so genau weiß er das selber nicht. Zur gleichen Zeit treffen sich Marthe, seine Lebensgefährtin, und Lorenz, sein Finanzberater, die eine Affäre miteinander haben, am anderen Ende der Republik in einem Waschsalon.
Vor dessen Fenster stehen plötzlich zwei bewaffnete Männer. Ein Schuss fällt, abgefeuert jedoch nicht von ihnen, sondern offenbar von Cleo, die wie aus dem Nichts aus dem Raum erscheint. Cleo ist Lorenz' Ex-Frau, dieselbe Frau, mit der auch Hugo seine albtraumhafte Nacht verbringt. Als zersprengte Teile eines Ganzen beginnen nun alle ihre eigene Irrfahrt über verlassene Autobahnen: "Lost Highways", an deren Rande sich auf Parkplätzen, in anonymen Raststätten und Motels die Wege immer wieder kreuzen.
(Rowohlt Verlag)

Stimmen zum Stück:

"'Autofahren in Deutschland' erzählt von der Verlorenheit der Menschen, die nicht mehr für ihre eigene Geschichte verantwortlich sind. In einem Land, in dem die Mauer gefallen ist, neues Selbstbewußtsein produziert wurde, das sich in Agonie verwandelte, ein Land, in dem niemand bereit ist, alte Gewohnheiten abzulegen, jeder Versuch davon in totaler Desorientierung endet, hält der Rausch der Geschwindigkeit Einzug, und niemand hält das Tempo mit…Die Menschen stoßen zusammen und fallen auseinander. Sie greifen um sich, doch da ist nichts Greifbares. Sie sehen sich um, doch da ist kein Mensch… .
‚Autofahren in Deutschland' ist eine poetische Komposition für das Theater, die keine Grenzen akzeptiert. Es wird das Schleudertrauma der vier Protagonisten vorgeführt… Ulrike Syha beschreibt ein Verlustgefühl, das vielleicht alle vereint, das sich deshalb niemand zu benennen getraut, als eine verschwommene Bewegung, wie eine Erinnerung, und erzeugt dabei genau dieses Gefühl, eine Eruption, fernab der allumfassenden medialen Betäubung"
(Tim Staffel in der Laudatio bei der Verleihung des Kleist-Förderpreises 2002)

Technische Daten

Uraufführung 1.1.2002 Thalia Theater, Hamburg
Regie Monika Gintersdorfer
Personenzahl 2 D, 4 H, Grunddekoration
Rechte Rowohlt Theater Verlag
Hamburger Str. 17
21465 Reinbek
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21453 Reinbek
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