Neue deutsche Dramatik

5 morgen

Eine Explosion in der Innenstadt, weißer Puder rieselt auf die Erde und bedeckt die Körper. Ein Virus? Ein terroristischer Anschlag? Die Apokalypse? August, gescheiterter Ehemann und erfolgloser Autor, flüchtet sich in seinen Heimatort, dort trifft er auf die Studentin Missy, die ihn mit seinen Lebenslügen konfrontiert. Paul, katastrophenfilmgeschulter IT-Experte, verbarrikadiert sich in seinem Haus und verwehrt sogar seiner Frau Loretta aus Angst sich anzustecken den Zutritt. Augusts Exfrau Julia, eine nüchterne Ärztin, hält der sie umgebenden Panik analytischen Sachverstand und professionelle Empathie entgegen. In drei exemplarischen Paarkonstellationen untersucht "5 morgen" was passiert, wenn eine Katastrophe nicht mehr aus einem weit entfernten Teil der Welt oder als Blockbuster über die Bildschirme flimmert, sondern real stattfindet und der Kampf ums Überleben beginnt. Im Gegensatz zur Illusionsmaschine Hollywoods taugt der Faktor X jedoch nicht zur Katharsis, sondern treibt den Narzissmus der Figuren auf die Spitze.
(henschel SCHAUSPIEL)

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Stimmen zum Stück:

Für Fritz Kater bedeutet Schreiben nicht nur die Entwicklung neuer Verfahren der Anordnung und Bearbeitung von Wortmaterial, sondern immer eine besondere Art des Verdichtens, des Zuspitzens eigener Wahrnehmung von Wirklichkeit. '5 morgen', sein neuer Text, schildert eine Welt, in der das Effizienz-Dogma nicht nur die Märkte, sondern vor allem das Menschenbild mit seiner Winner-Anthropologie beherrscht. Dass diese Idee nicht zwangsläufig Sieger hervorbringt, sondern in die mögliche Vernichtung der Gattung mündet, beschreibt er als tragisch-komische (Zukunfts?-)Vision. (…) Katers Stück (…) spielt in einer Zeit, in der alles schwimmt und verschwimmt. (...) 5 Menschen an 5 morgen. An einem von diesen wird in einer Stadt Katastrophenalarm ausgelöst. Eine Explosion ? Atomare Verseuchung ? Gefährliche Viren ? 'Gesellschaftsburnout' ? Niemand weiß etwas Genaues. Man kann sich nicht so einfach auf die eine oder andere Seite schlagen. Es ist kein äußerer und kein innerer Feind für das Geschehen verantwortlich zu machen. Der bedrängte Mensch, der das Vertrauen zu seiner gegenwärtigen Wirklichkeit verloren hat, versucht erst gar nicht, in sich ausschließenden Ideologien oder Weltanschauungen, Halt, Wahrheit, Hoffnung oder Trost zu finden. Es werden keine Verschwörungstheorien entwickelt und keine Schuldigen gesucht. Es ist der Zusammenbruch des Jetzt.
(Carmen Wolfram, Dramaturgin am Schauspiel Stuttgart, Jahrbuch Theater Heute 2013)

Technische Daten:

Uraufführung 26.10.2013, Staatstheater Stuttgart
Regie Armin Petras
Personenzahl 3 Damen, 2 Herren
Rechte henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin GmbH
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