Neue deutsche Dramatik - Spielzeit 2013/2014

jenseits von fukuyama

Ein Institut für Glücks- und Zukunftsforschung ist auf der Suche nach dem Sinn menschlicher Existenz und verfügt offenbar über brisante Informationen, die leicht an die Öffentlichkeit dringen und für Chaos sorgen könnten. Peer, ein Angestellter des Instituts, hat sich um eine Beförderung bei seiner Chefin Dr. Phekta beworben. Doch er hat starke Konkurrenz. Und scheinbar gab es ein Datenleck, das die Arbeit des Instituts massiv gefährdet. Den unerbittlichen Kampf um die nächste Sprosse der Karriereleiter begleitet ein unterirdisches Beben: Wie viel halten unsere Glücksmodelle von gestern? Francis Fukuyamas 1992 proklamiertes „Ende der Geschichte“ ("The End of History and the Last Man", Anm. der Redaktion) trat offensichtlich nicht ein – doch was verheißt uns Heutigen die Zukunft? Ist sie eine strahlende Utopie oder doch eher ein gefesseltes Monstrum? Inzwischen kämpft Peer um seine ganz persönliche Zukunft und ist bereit, dafür zum Äußersten zu greifen. Der junge Autor Thomas Köck (…) seziert unsere Gegenwart, ihre Masken und Selbstlügen und entwirft einen zorngeladenen „Chor der enttäuschten Erwartungen“.
(Theater Osnabrück)

Stimmen zum Stück:

Unseren Kulturkreis stellt Thomas Köck so intelligent wie amüsant auf den Prüfstand. Für sein Stück „Jenseits von Fukuyama , das nun im Osnabrücker Theater uraufgeführt wurde, erhielt er zu Recht den neuen Osnabrücker Dramatikerpreis.  (…) In einer gewaltigen und zugleich hoch komischen tour d’ horizon reflektieren sechs mit langen Rattenschwänzen ausgestattete Schauspieler den Wertewandel der letzten zwei Jahrzehnte.
Munter wird da erst einmal die Sinnsuche aus dem Labor verbannt, diese privatistische Fessel für ungehemmtes Wuchern der Ereignisse. Die hedonistischen, sinnbefreiten 90er Jahre treten personifiziert auf und schlagen auf die Geschichte ein (…). Denn die Geschichte ist an den Neoliberalen, der Waffenlobby, den Massengräbern und noch viel mehr schuld. Vor allem am „ewigen Wiederkäuen der Utopielosigkeit“. Doch die hoffnungsvollen Befreiungsschläge enden im Katzenjammer, weil nun statt nach der Utopie nach dem Glück, (…) gestrebt wird. (…)
Möglicherweise ist es auch Enttäuschung, etwa über Francis Fukuyamas optimistische Thesen vom Ende der Geschichte (von 1992), die Thomas Köck so wunderbar zugespitzt und blumig zugleich formulieren lässt. Die von Ängsten, Sicherheitsdenken und Pseudokritik gespeiste Seele nennt er das 'flauschige Vermächtnis des 20. Jahrhunderts für alle Zukunft'. Das sitzt.
(Neue Osnabrücker Zeitung, 19.05.2014, Christine Adam)


Das dritte Jahrtausend. Angestellte des Instituts für Glücks- und Zukunftsforschung strampeln im Hamsterrad der Selbstausbeutung und fürchten um ihre Karriere, denn die Konkurrenz schläft nicht. Aber draußen tobt schon längst ein Aufstand, die Massen rücken näher und irgendwann ist das mit dem Job auch ziemlich egal, denn jetzt bleibt es einem nur noch übrig, sich im sogenannten Durchschnittsraum zu verbarrikadieren und ums nackte Überleben zu bangen. Bei Thomas Köcks Stück fällt eine Genrezuweisung schwer. Aus epischen Textpassagen lösen sich Dialoge, aus sprechenden Massen lösen sich Individuen und auch allegorische Gestalten wie die Neunziger Jahre, das Begehren oder die Geschichte haben ihren Auftritt und wagen zusammen mit dem Chor der enttäuschten Erwartungen eine Bestandsaufnahme der Gegenwart.
(Aus der Jurybegründung zum Osnabrücker Dramatikerpreis, Dezember 2013)

Technische Daten

Uraufführung 17.05.2014, Theater Osnabrück
Regie Gustav Rueb
Personenzahl 3 Damen, 2 Herren
Rechte Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG, Suhrkamp Theater & Medien
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