Neue deutsche Dramatik - Stücke

Frey !

„Eigentlich ist Friedemann Frey kein Mann für launige Entschlüsse und impulsive Handlungen. Im Gegenteil: Für Familie, Freunde und Kollegen gilt der unauffällige Verwaltungsangestellte als stets verlässlicher und ausgeglichener Zeitgenosse. Umso rätselhafter ist, warum Frey eines Tages nicht wie gewohnt ins familiäre Reihenhaus heimkehrt, sondern in die Welt hinaus zieht. Scheinbar ziellos wandert er Richtung Süden und findet in der Ab-geschiedenheit der Berge die Stille der Einsamkeit, die er jedoch bald lieber gegen das Weltgetriebe eintauscht: Ein Kreuzfahrtschiff soll ihn nach Amerika, ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten bringen. Unterwegs macht Frey Bekanntschaft mit den Luxusproblemen gelangweilter Wohlstandsdamen, mit einer irritierend inspirieren-den Missbrauchsgeschichte und erfährt ganz nebenbei allerhand Wissenswertem über sadomasochistische Lust-befriedigung. In New York angekommen, schließt er sich einem Heidegger zitierenden Ex-Knacki an und fährt nach Las Vegas, wo eine in Suizidpraktiken bewanderte Rezeptionistin in ihm einen klassischen Selbstmörder zu erkennen glaubt …
In seinem komödiantischen Stationendrama erzählt Neumann ein modernes Märchen, in dem sich die „Freiheit“ – zwischen Chance und Verpflichtung, Verheißung und Trug – als moderner Fetisch erweist.“
(Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb)


Stimmen zum Stück:

„In "Frey!" lässt Neumann den Schelmenroman aufleben – episodenhaft und prosaisch sind seine Texte ohnehin, es wird viel und in rasantem Tempo erzählt. Hier schickt er seine kaspernde und chaplineske Hauptfigur "Friedemann Frey, Verwaltungsangestellter einer namhaften deutschen Versicherungsgesellschaft" auf Reisen, als wär's der Simplicissimus: In der Daseinsfalle zwischen Versicherungsbüro, Durchschnittsfamilie und Kegelbahn packt Frey (…) eines Tages die Torschlusspanik.
Er macht sich aus dem Staub, taumelt ziellos, passiv und staunend durch die Welt wie Alice im Wunderland. (…)
Um ein Ende zu finden in der schier überbordenden Thematik, bedient sich Neumann eines alten Theatertricks: Frey erwacht, sitzt vor seinem Computer, und "vor ihm schimmern Statistiken und Tabellen". Alles nur erträumt, nichts gelebt. Der Kreis schließt sich. Die Sinnsuche kann von vorne beginnen.

(Verena Großkreutz in: Nachtkritik, 17.11.2011)


Technische Daten

Uraufführung 17.12.2011, Staatstheater Stuttgart
Regie Jan Neumann
Personenzahl 2 Damen, 3 Herren
Rechte Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs GmbH
Schweinfurthstr. 60
14195 Berlin
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