Neue deutsche Dramatik - Stücke

Die Froschfotzenlederfabrik

In ‚Die Froschfotzenlederfabrik‘ verlaufen die Fronten der Verteilungskämpfe kreuz und quer durch das bunte Figurenpersonal: Jung gegen Alt, Stadt gegen Land, Angestellte gegen Arbeitgeber, privat versichert gegen gesetzliche Krankenkasse, jeder gegen jeden und immer zuwenig Geld für scheiß Jobs. Einige der eindrücklichsten Figuren in diesem wortgewaltigen Reigen: der Fabrikant, der seine Frau längst zugunsten der Frau Minister für Divergenzfragen verlassen hat, die beiden Töchter des Fabrikanten, deren unterschiedliche Lebensweisen sie schon vor Jahren voneinander entfremdet haben, ihre Mutter, die gewohnheitsmäßigen Getränkemissbrauch betreibt, und deren erstaunlich schlecht bezahlter Krankenhausarzt, der mindestens eine Tochter seiner Patientin gänzlich unprofessionell in Doktorspiele verwickelt. Die Beschreibung des Verfalls einer Familie weitet sich schnell zu einem breiten gesellschaftlichen Panorama, vor dessen Hintergrund bürgerliche Selbstgefälligkeit und die Scheinheiligkeit von Debatten um Political Correctness oder bedingungsloses Grundeinkommen entlarvt werden.
(Rowohlt Theaterverlag)


Stimmen zum Stück:

„Alle Kluck-Stücke sind virtuose Erregungen, befeuert von der Ohnmacht ihrer Figuren angesichts einer sie überfordernden, täglich komplexer werdenden Gesellschaft.
Die Frage, die sie stellen, ist die Systemfrage. Drunter macht es dieser Autor nicht. Wenn das ‚Prinzip Meese‘, wie es in Klucks Debüt heißt, ‚das Finden der eigenen Verwirrung‘ ist, geht das ‚Prinzip Kluck’ noch darüber hinaus: es entlädt sich in der furiosen Rebellion gegen diese Verwirrung. Auch sein neuestes Stück ‚Die Froschfotzenlederfabrik‘ beginnt mit einem Brief, der (…) die durchaus populäre Erlösungsfantasie eines bedingungslosen Grundeinkommens in Zweifel zieht und bereits sein großes Thema vorwegnimmt: die Arbeit im 21. Jahrhundert vor dem Hintergrund einer vorgeblich sozialen, dabei jedoch mit zynischen Euphemismen operierenden Marktwirtschaft (…).
Wie gewohnt sind Klucks Figuren eher skizzenhaft angelegt, streifen bisweilen Klischees, eröffnen jedoch in ihrer Unfertigkeit auch eine Vielzahl spielerischer Möglichkeiten. Diese Textfläche erforscht mit scharfem Blick den Text der Fläche, verödete (deutsche) Steppen und Regionen, die stets auch als Seelenlandschaften erscheinen.“
(Florian Hirsch in Jahrbuch Theater Heute 2011)



Technische Daten

Uraufführung 21.12.2011, Burgtheater (Kasino), Wien
Regie Anna Bergmann
Personenzahl variabel, aber mindestens 5 Darsteller
Rechte Rowohlt Theater Verlag
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21453 Reinbek
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