Neue deutsche Dramatik - Stücke

Das fliegende Kind

November. Martinstag. Kindergottesdienst. Gerührt lauschen die Eltern dem Chorgesang ihrer Sprösslinge, während sie insgeheim mit der Planung und Realisierung erotischer Abenteuer beschäftigt sind. Von Anfang an steht der Lichterumzug unter einem dunklen Stern. Ein schwarzer Wagen fährt durch die Stadt. Der Vater spürt nur einen leichten Widerstand unter den Rädern. Kaum wahrnehmbar. War da was? Ein fliegendes Kind? Schimmelpfennigs jüngstes Stück ist ein poetisches Requiem, in dem die Großstadt mit ihren hochgerüsteten Fahrzeugen, Fernsehtürmen und Leuchtreklamen als finsterer Moloch erscheint. Selbst Kinderlieder und Laternenumzüge haben in dieser Welt etwas Gespenstisches an sich. Die bittere Schlusspointe gleicht einer Totenglocke, die noch lange nachhallt.
(Deutsches Theater Berlin)

Stimmen zum Stück:

„ Es gibt tatsächlich märchenhafte Züge in diesem dunkel raunenden, nachtschwarz-poetischen, das Unglück von vornherein konstatierenden Stück (…), aber es ist kein Märchen. Es ist eine Tragödie, wie sie jederzeit als Meldung in der Zeitung stehen könnte. Eine Kalamität, geboren – und vom Autor kleinteiligst zusammengepuzzelt – aus der Banalität des Lebens. Aber wie monströs und lebensvernichtend für die Beteiligten !
(…) ‚Das fliegende Kind‘ ist der konzentrierte Versuch, ein schwarzes Loch zu beschreiben, gerissen vom Tod. Zeit wird aufgehoben in diesem Stück, das sowohl den Unfallhergang erzählt, als auch ihn voraussetzt – Vergangenheit und Zukunft: geschluckt in diesem einen tragischen Moment, der für ewig gelten und wirken wird. Es ist ein polyphones, chorisch von sechs Personen aus drei Generationen (oder Zeitzonen) vorgetragenes Requiem, und mit seiner schleichenden Halloween-Stimmung ist es auch ein Gruselstück. Ein todbitterkomisches Horror- und Sprachkunststück ist es, verfasst in knapper, hochvirtuoser Notation, streng gebaut aus Rezitativen, Kadenzen, Satz-Refrains.“
(Christine Dössel, Programmbuch der Mülheimer Theatertage 2012)


Technische Daten

Uraufführung 04.02.2012, Akademietheater Wien
Regie Roland Schimmelpfennig
Personenzahl 3 Damen, 3 Herren
Rechte S. Fischer Verlag GmbH
Theater & Medien
Hedderichstr. 114
60596 Frankfurt am Main
Telefon: +49 69 6062271
Telefax: +49 69 6062355
Mail Symboltheater@fischerverlage.de
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Übersetzungen Theaterbibliothek