Neue deutsche Dramatik - Stücke

Reicht es nicht zu sagen ich will leben

„Zusammen mit der Autorin Claudia Grehn (Verlag der Autoren) hat Darja Stocker Gespräche, die sie mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Generationen geführt haben, zu einer Szenencollage verdichtet, die verschiedene Aggregatszustände des Aufbegehrens, angefangen von schlichter Empörung bis hin zu aktivem Widerstand, ausloten. Es ist ein scharfzüngiges Gesellschaftspanorama entstanden, in dem der Einsatz, dieser an den unterschiedlichsten Fronten kämpfenden Individuen, am bleiernen Konsens über die Unveränderbarkeit der bestehenden Verhältnisse abprallt. Je selbstbestimmter und radikaler diese Figuren - vom Manager über die Studentin, Altenpflegerin oder Asylbewerberin - gegen Hartz IV, Pflegenotstand, Residenzpflicht usw. agieren, desto weiter werden sie in ein privates wie öffentliches Abseits gedrängt, landen in der Gosse oder im Gefängnis. Der Text der beiden Autorinnen führt den Titel in jedweder Hinsicht ad absurdum. Er ist ein berührendes Zeitdokument und vielstimmiges Manifest wider das Einvernehmen der politischen Ohnmacht.“
(henschel SCHAUSPIEL)

Stimmen zum Stück:
„Wir haben es bei ‚Reicht es nicht zu sagen ich will leben‘ also mit einer sogenannten ‚Stückentwicklung‘ zu tun, einer Methode, die auch im Stadttheaterbetrieb seit einigen Jahren häufig praktiziert wird. Ungewöhnlich daran ist das Ergebnis: Man sieht dem Stück seinen Entstehungsprozess – anders als in explizit dokumentarischen Theaterprojekten nicht unbedingt an. Die Geschichten, die hier erzählt werden, hat zwar das Leben geschrieben, Grehn und Stocker aber haben sie zu einem Drama verdichtet.(…)
Ziviler Widerstand ist die thematische Klammer, die die knapp 30 Szenen des Stücks zusammen hält. (…) Claudia Grehn und Darja Stocker zeichnen in ihrem Stück das Bild einer Wutgesellschaft, wobei mit Wut auch Lebenswut gemeint ist. Reicht es nicht zu sagen ‚Ich will leben ?‘. Nein, das reicht nicht. Aber es ist schon mal ein guter Ansatz.
(Wolfgang Kralicek, Programmbuch der Mülheimer Theatertage 2012)

Die Autorinnen Claudia Grehn und Darja Stocker haben für dieses Stück in Leipzig und Weimar zahlreiche Gespräche mit Menschen über ihre Erfahrungen und Erlebnisse geführt, dann aber glücklicherweise der Verführung widerstanden, daraus eines dieser im Trend liegenden Protokollstücke über das wirkliche Leben zu machen. Sie verdichten, was ihre Recherchen ergaben, zu einer kunstvollen Textcollage, einem Gesellschaftspanorama, das sprachlich und stilistisch weitaus besser ist, als der dröge Untertitel "Stückentwicklung" es befürchten lässt. Bildreich und pointiert, souverän zwischen Ernst und Leichtigkeit, zwischen Wut und Ironie wechselnd. Ein Text, dem man gerne folgt. Mit Figuren, die schnell zu Vertrauten werden, weil sie echt und zugleich abstrakt und archetypisch sind: die Schülerin, die Dozentin, die Asylbewerberin, der Angestellte usw.
(Matthias Schmidt, Nachtkritik, 30.06.2011)



Technische Daten

Uraufführung 30.06.2011, Nationaltheater Weimar, in Koproduktion mit dem Centraltheater Leipzig
Regie Nora Schlocker
Personenzahl variabel
Rechte henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag GmbH
Marienburgerstr. 28
10405 Berlin
Tel: 030-44318888
Fax: 030-44318877
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60329 Frankfurt a. M.
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Fax: +49 69 24277644
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