Neue deutsche Dramatik - Stücke

Tattoo

Co-Autorin Réjane Desvignes

Lea, arbeitslose Schauspielerin, die als Moderatorin für Musiksendungen im Internet jobbt, und Fred, erfolgloser Schriftsteller, sind ein ein Paar mit wenig Geld, aber hohem Kunstanspruch und unkorrumpierbaren Idealen. Beide leben gemeinsam in einer kleinen Einzimmerwohnung, die ihnen gleichzeitig als Arbeitsraum dient und in deren Bohème-Idylle eines Tages Leas alter Freund Tiger hereinplatzt. Dieser hat in Los Angeles auf dem amerikanischen Kunstmarkt als shooting Star der dortigen Szene mit schriller 'concept art' Karriere gemacht, banale Geld - und Alltagssorgen sind ihm auf erfrischende Weise fremd. Nur eines würde er nicht tun: sich selber verkaufen. Darum vermacht er im Falle seines Ablebens seiner besten Freundin Lea, sozusagen vorsorglich, seinen mit kunstvollen Tattoos verzierten Körper als 'Geschenk'. Anschliessend lässt er per selbstinszeniertem Video seinen Tod verbreiten und präsentiert mit Hilfe seines Assistenten Alex eine Plastilinkopie als seine Leiche - ausgestellt in Leas und Freds Bude. Der Anblick ruft bei den beiden und der Galeristin Naomi, Leas Halbschwester und Tigers Geliebten zunächst Entsetzen hervor, jedoch ist bald klar, dass man Tiger gut verkaufen kann: Der vermeintlich tote Körper wird zur Ware 'Kunst'. Die Verwirrung ist komplett, als Tiger plötzlich lebendig wieder auftaucht, seine Skulptur zurückhaben will und auch noch verkündet, alles gefilmt zu haben, um es in New York bei einer Ausstellung mit dem Titel 'Einen guten Freund haben' zu zeigen. Seine Pläne werden von Alex durchkreuzt, der Tiger plötzlich erschlägt und für Naomi ausstopft und für den Kunstmarkt herrichtet. Zuletzt löst sich dies bitter-ironische Ende, an dem tatsächlich wissentlich mit einer echten Leiche Kunst und Geld gemacht wird, wieder in Fiktion auf: Lea hatte die Geschichte nur im neuen Roman ihres Freundes Fred gelesen.

Stimmen zum Stück:

"Kasse gegen Klasse, Markt gegen Moral, Schein gegen Sein, Video gegen Wirklichkeit. Desvignes und Bauersima haben eine grelle Satire auf die Kunstszene geschrieben, die sich, dick auftragend und ganz schön durchgeknallt, als alternatives Gegen-Stück zu Yasmina Rezas Komödie 'Kunst' zu behaupten vermag."
(Andreas Rossmann, Faz, 5.06.02)

"'Tattoo' ist ein Vexierspiel um Wahrheit und Fiktion. … Igor Bauersima ist kein postmoderner Formenzertrümmerer. Mit scheinbar leichter Hand erzählt er seine verschachtelte Geschichte, die sich gängiger Wendungen und Plots bedient, zuweilen Absehbares eintreten lässt und dennoch auch Spannung und Witz in sich birgt."
(Carolin Lorenz, Potsdamer Neueste Nachrichten, 11.11.02)

Technische Daten

Uraufführung Schauspielhaus Düsseldorf, 1.06.02
Regie Igor Bauersima
Personenzahl 2 D, 3 H, 3 Dek
Rechte S. Fischer Verlag GmbH
Theater und Medien
Hedderichstr. 144
60596 Frankfurt am Main
Tel. 069/ 60 62 271, Fax 069/ 60 62 335
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