Neue deutsche Dramatik - Stücke

Nachtblind

„Leyla, eine junge Frau, sucht ihren eigenen Weg jenseits der Normalität. Zuhause bricht die Familie auseinander: Der Bruder rüstet innerlich auf, der Vater ist dabei sich abzusetzen, die Mutter sieht schon lange weg. Leyla lernt Moe kennen, der ist ein zurückhaltender Automechaniker, angeblich hochbegabt. Nicht nur soziale Welten prallen aufeinander, Funken fliegen, Zuneigung wächst und läßt die Dinge nicht, wie sie sind. Und da ist noch ein anderer in Leylas Leben, der selten, aber vehement in Erscheinung tritt, verwirrung stiftet und dann oft für lange Zeit verschwunden bleibt.
Mit ihm verwandelt Leyla seit Jahren Industriegebäude in farbenfrohe Luftschlösser. Etwas schwer Sagbares zwischen Liebe und Wahnsinn verbindet sie. Moe findet herauzs, daß der große Fremde zwischen Zärtlichkeit und Gewalt nicht unterscheiden kann. Leyla hält die Schläge und die Liebe kaum noch aus. Moes Nähe und familiäre Zuspitzungen drängen sie mehr und mehr zu einer Entscheidung. Sie muß den Schritt allein gehen. Darja Stockers außergewöhnliches Debütstück erzählt von einem widersprüchlichen Befreiungsschlag, vom Aushaltenkönnen und von schmerzhaften Lösungen. Und von der Notwendigkeit zu träumen.“
(henschel SCHAUSPIEL)


Stimmen zum Stück:
„Was sich in Leylas Familie und was sich zwischen ihr und Moe abspielt, wurde von Darja Stocker so knapp und elegant für die Bühne verpackt, dass man die Familienverkrümmung nicht als Konstruktion, sondern als Stück Familie aus einer Zeit empfindet, in der Wertedebatten ersetzen wollen, was früher im geglückten Fall „Zuwendung“ und im schlechten „Rohrstock“ hieß. Besonders wenn Leyla gegen die Lebenslügen der Mutter argumentiert und in der Auseinandersetzung sich selbst auf die Schliche kommt, ist Darja Stocker ein treffsicherer Dialog mit kürzeren Textflächen-Einschüben gelungen. In denen berichten Leyla und Moe, was sich zwischen ihnen abspielte und abspielt. Die Passagen allerdings sind rar gesät und betonen eher die Schüchternheit der beiden, als dass sie in subjektlose Postdramatik umschlagen.“
(Jürgen Berger, Theater Heute, Juli 2006)


Technische Daten

Schweizer Uraufführung 18.03.2006, Theater an der Winkelwiese, Zürich
Regie Brigitta Soraperra
Deutsche Erstaufführung 22.04.2006, Schauspiel Hannover, Ballhof Zwei
Regie Caroline Farke
Personenzahl 2 D, 2 H
Rechte henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag GmbH
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