Neue deutsche Dramatik - Stücke

Hund, Frau, Mann

(Nach der Erzählung Liebe pur von Yael Hedaya, erschienen im Diogenes Verlag)

Eine Zweierbeziehung aus unorthodoxer Sicht: Ein Hund schildert das seltsame Verhalten von Frau und Mann, die sich buchstäblich aneinander ketten, obwohl sie es kaum aushalten zusammen. Im Moment ihres Kennenlernens läuft er den beiden zu und bleibt fortan bei ihnen, weil er - wie sie - nichts zu verlieren hat, weil er - wie sie - Schutz sucht in einer warmen Wohnung. Dem Hund würde dies als Rettung aus der Einsamkeit genügen, und auch Frauchen und Herrchen "hätten beide Freude daran haben können, nicht mehr alleine aufzuwachen im November, aber auf so einfache Gedanken kommen die Menschen nicht." Nach kurzen Zuwendungen bricht bei ihnen das Menschsein wieder durch, Liebe wird zum Besitzanspruch, Annäherung wird abgelöst von Misstrauen und Entfremdung. Eine Trennung kommt für sie trotzdem nicht in Frage, ebenso wenig eine andere Variante der Veränderung. Die kräftezehrende Routine ihres Paar-Alltags, von allen anderen als normal vorgelebt und deshalb auch von ihnen brav befolgt, hält sie fest wie eine straff gespannte Leine. Dem Hund kommt dies letztlich ganz natürlich vor: "Wir Hunde und die Menschen sind in vielerlei Hinsicht verwandt. Zum Beispiel gehen wir mit Katastrophen ähnlich um. Wir akzeptieren sie."
(Rowohlt Verlag)

Stimmen zum Stück:

Das schäbige Menschsein ist es, das Sibylle Berg in ihrer Prosa wortgewaltig formuliert, und es ist auch Thema ihres neuen Stückes 'Hund, Frau, Mann', das nun an der Rampe uraufgeführt wurde. Ein kurzes Textchen, eher Prosa, denn Drama, ein kokettes Lamento über die niemals endende Enttäuschung, die vergängliche Lust, das ewige Scheitern. In ihren Romanen leuchtet Berg das defizitäre Innenleben ihrer Figuren aus, deshalb ist das Drama, das nur das ausgesprochene Wort kennt, eine Gattung, die mit ihrem Stil nicht vereinbar scheint. In 'Hund, Frau, Mann' hat Berg einen raffinierten Kunstgriff entwickelt, um doch die Innenschau zu ermöglichen. Ein Hund kommentiert die Menschen. 'Sie demütigen sich gerne, aber das ist nichts Neues', sagt er und schaut besonnen von seiner Decke aus dem irrwitzigen Treiben der lächerlichen Liebe zu.
(Adrienne Braun, Stuttgarter Zeitung, 1.10.01)

Zum drittenmal hintereinander hat es Sibylle Berg,[…], in die Auswahl der "Stücke" geschafft; noch jedesmal mit einem besonderen dramaturgischen Trick, um die ihr eigentümliche Sicht dieses unseres Menschenzoos zu vermitteln: eine wohldosierte Mischung aus ausgenüchterten, üblicherweise romantisierten Alltagsgefühlen. [… ]. Jetzt bei "Hund, Frau, Mann" kommt freilich etwas hinzu, was bisher doch manchmal schmerzlich zu fehlen schien: der liebenswürdige, milde Blick auf das, was man Lebensbedürfnis, Liebe nennt.
(Dietmar N. Schmidt, Programmheft der Mülheimer Theatertage 2002)

Technische Daten

Uraufführung Theater, Rampe, Stuttgart, 29.09.2001
Regie Stephan Bruckmeier
Personenzahl 1D - 1H - 1weitere(r) Darsteller(in) - Grunddekoration
Rechte Rowohlt Theater Verlag
Hamburgerstraße 17
21465 Reinbek bei Hamburg
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