Neue deutsche Dramatik - Stücke

Täglich Brot

Fünf Singles, die "etwas aus sich machen" wollen, kämpfen mit und für sich, um nicht unterzugehen im Wettbewerbspool. Und das macht sie - unabhängig vom jeweiligen Selbstdarstellungsprofil - erst einmal sympathisch. Das Stück lebt vom Wiedererkennungseffekt: eine schicke Karrierefrau, die ihr einsames Leben in geordnete Bahnen zu pressen versucht, ein arbeitsloser Unterhemd-Träger, der erst lamentiert, dann agitiert und schließlich seinen Neuanfang propagiert, eine immer nette Studentin, die sich auf der Suche nach dem Glück durch den Tag träumt, ein nerviger Agenturtyp, der stets die Nase vorn hat, aber am Bildschirmschoner verzweifelt, sowie eine abgestumpfte Serviererin im KFC-Outfit, die sich durch die Monotonie ihres Alltags jammert. Einzeln oder gruppendynamisch erreden sie sich ihre (unsere?) gestörten Identitäten - Phrase um Phrase. Und Tag für Tag, nachdem sie vom Wecker, der wie eine Werksirene schrillt, zurück manövriert werden in den Alptraum, der da Leben heißt: "Das ist das Gesicht, mit dem ich raus muss. Ein wenig mehr anders irgendwie wär besser."
(Pamela Jahn im Tagesspiegel)

Stimmen zum Stück:

Gesine Danckwarts ... Text besteht aus Monologen, die sich manchmal aus dem Inneren vorwagen, mitunter fast in Dialoge münden, die aber aus Angst vor Enttäuschung ihrer Träger im entscheidenden Moment abbrechen. Zwischen den Stühlen, den Arbeitsplatz-Inseln im verplätschernden Meer der Zeit, bleibt viel Raum für Assoziationen, auch für ausgereizte Dynamik zwischen nachdenklich klingender Stille, hektischer Betriebsamkeit und hysterischen Ausbrüchen. Im Wechsel zwischen Frust und kleinen Siegen versteckt sich die Tristesse. Sie lauert aber in den Köpfen - der Geist blockiert, wird in Banalitäten aufgerieben. Um das tägliche Brot im ursprünglichen Sinn geht es längst nicht mehr. Fünf einsame Tages(ge)schichten werden geschrieben vom Kampf um Selbstwertgefühl und Erfolg, gegen Einsicht in die Absurdität der verrichteten Dienstleistungen und des eigenen Daseins.
(Dresdener Neueste Nachrichten)

Gesine Danckwart hat fünf Stimmen zu Jobs und Karrieren ineinander komponiert, über Löhne der Angst und wofür man sie ausgibt, zum Beispiel für die "ich-gönn-mir-wirklich-etwas-Creme", zu Leere und Einsamkeit, sei es mit Arbeit oder ohne. Allermeistens in sich selbst gekehrt autistisch, manchmal kalt distanziert in der dritten Person, selten schüchtern dialogisch. Wären nicht soviel leichte Musikalität und Sprachwitz im Spiel, womöglich entstünde ein herzzerreißendes Schreckensbild der sich freiwillig selbst knechtenden Seelen im Kapitalismus. (...) Der [Text] ist der beste, den Gesine Danckwart bislang geschrieben hat. Denn er hat ein starkes Thema - Mensch und Arbeit -, das er nicht aus den Augen verliert, aber geschickt in Tempo und Rhythmus variiert.
(Eva Behrendt in Theater heute 06/01)

Technische Daten

Uraufführung Theaterhaus Jena, April 2001
Regie Christiane Pohle
Personenzahl 3 D, 2 H
Rechte S. Fischer Verlag GmbH
Theater und Medien
Hedderichstr. 144
60596 Frankfurt am Main
Tel. 069/ 60 62 339, Fax 069/ 60 62 335
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Übersetzungen Theaterbibliothek