Neue deutsche Dramatik - Stücke

Pablo in der Plusfiliale

"Pablo in der Plusfiliale von René Pollesch ist eine clipästhetische Telenovela zwischen Trash und Theorie, Web- und Werbesprache, die im knallfarbenen Retrolook der siebziger Jahre daherkommt und sich von deren melodischen Sounds ihre Textflächen unterlegen läßt. Keine Handlung, keine Subjekte, keine Identifikationsangebote.
Polleschs Figuren sind Objekte der Durchkapitalisierung, multiple Schnittstellen, soziale Displays. Im Jargon der Technologie und des Neoliberalismus reden sie über ihre Existenz, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt. (…) Der titelgebende Pablo (…) ist hier ein Kind, das sich in der Plusfiliale verirrt und irgendwie verlorengeht. So bekommt man ihn gar nicht zu Gesicht. Aber auch egal. Geht es doch um Welt-Anschauung: Aldi-Süd und Lidl, Schlecker und Metro werden als Kapitalismusmonsterkonstrukt ausgemacht und zur Startrampe einer Konsumkritik erklärt, die sich quatschköpfig bewußt ist, nichts ausrichten zu können, und sich umso untergangsfröhlicher darüber kaputtlacht."
(Andreas Rossmann in: FAZ, 4.05.2004, Nr. 103; S. 36)

Stimmen zum Stück:

"Weil das Stück (…) bei den von den Gewerkschaften mitfinanzierten Ruhrfestspielen in Recklinghausen Premiere hatte, reflektiert Pollesch so böse wie genau die Hilflosigkeit, mit der die Gewerkschaften auf den härter werdenden Kapitalismus und das Wegbrechen der sozialen Sicherungssysteme reagieren. Einerseits solidarisiert (er) sich mit den Protestbewegungen gegen den Neoliberalismus, gleichzeitig macht Pollesch als professioneller Außenseiter die Grenze deutlich,die ihn vom Mittelstands-Mainstream des DGB trennt: Wer noch nie zur gesellschaftlichen Mitte gehört hat, nimmt mit leichter Schadenfreude zur Kenntnis, wie den Bürgern die Sicherheiten wegbrechen. Und vertraut auf Schattenökonomie, soziale Netzwerke und die Überlebenstricks der Marginalisierten."
(Peter Laudenbach in: Der Tagesspiegel online, 28.05.2004)

"Neoliberalismus und Globalisierung sind die Themen, um die René Pollesch in seinen seriell angelegten Stücken immer wieder kreist: Hightech frisst Seele auf. Westliche Internet-Technologie als neues Mittel zur Ausbeutung der Dritten Welt, globalisierter Kapitalismus als Daumenschraube für gewerkschaftlich erkämpfte Sozialleistungen in der ‚alten' Welt, Reduktion des (zwischen-) menschlichen Lebens, der Gefühlswelt des Individuums auf ökonomische Vorgänge, angebliche Ohnmacht gegenüber weltwirtschaftlichen Vorgängen, die von den Politikern als unausweichlich dargestellt werden."
(Pitt Herrmann in: Herner Feuilleton, 2.03.2005)

Technische Daten

Uraufführung 02.05.2004, Ruhrfestspiele Recklinghausen
Regie René Pollesch
Personenzahl 5-6 Personen
Rechte Rowohlt Theater Verlag
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