Neue deutsche Dramatik - Stücke

Heidi Hoh arbeitet hier nicht mehr

Die Fortsetzung von "Heidi Hoh". Unter verschärften Bedingungen reflektiert die Titelfigur ihr Arbeitsverhältnis am heimischen PC und die ihr aufgedrängte Identität im Amok laufenden Kapitalismus neu. Mit ihrem Notebook eingestöpselt in Verhältnisse, die sie ablehnt, ist Heidi Hoh auf der besessenen Suche nach einem Wirklichkeitstraum: "ICH WILL DIESES LEBEN NICHT MEHR FÜHREN! Ich wünschte, ich wäre eine Puppe, die einfach nichts versäumt, die nichts versäumt in ihrem genetisch entschlüsselten Leben. Ich will einfach nichts mehr versäumen in dem Leben, das von irgendwem ist und nicht meines. ... DAS HALT ICH NICHT AUS! Ich ertrag das nicht mehr! Ich kann nicht mehr! ICH KANN NICHT MEHR!"
(Rowohlt Theater Verlag)

Stimmen zum Stück:

Vielleicht ist René Pollesch der letzte Antikapitalist des Theaters. Vielleicht ist er aber auch der Erste, der glaubhaft die Leidenszustände der Angestellten des postmodernen Technologiezeitalters auf die Bühne bringt. Mit Stücken wie "Heidi Hoh arbeitet hier nicht mehr" oder "Frau unter Einfluss" gelang, was anderen deutschen Inszenierungen fehlt: künstlerische Globalisierungskritik.
(taz Magazin vom 15.9.2001,KÜP)

"Heidi Hoh arbeitet hier nicht mehr." - "Sie arbeitet nicht mehr zuhause." "Aber du könntest Verhältnisse herstellen, zuhause oder an deinem Arbeitsplatz, die dein Leben nicht zu der Wahnvorstellung werden lassen, es gäbe irgendwo anders ein lebenswertes Leben." "Das gibt es nämlich nicht!!" "Heidi Hoh arbeitet hier nicht mehr" spielt die Vermischung der Bereiche Arbeit und Zuhause durch, wenn im Dienste eines Unternehmens der häusliche Bereich als Betrieb organisiert wird. Jetzt ist das Zuhause kein freundlicher Ort mehr, und Heidi Hoh lebt auch gar nicht mehr dort, sondern führt ein Partisanenleben als obdachlose Telearbeiterin, die ihr Notebook überall einstecken kann.
(DeutschlandRadioBerlin)

"Heidi Hoh arbeitet hier nicht mehr" erzählt von der Telearbeiterin Heidi Hoh und ihren Kolleginnen. Deren Firma befindet sich im Internet, aber ihr Arbeitsplatz ist zu Hause am Computer. Was ist da Innen-, was ist Außenwelt? Was ist privat, was öffentlich? Alle traditionellen Orientierungssysteme versagen. Überhaupt scheint das Leben im Zeitalter der Globalisierung in ein konturloses Fließen zu geraten. Als Gegenwehr bleibt den Frauen nur wortmächtige Hysterie. Doch was heißt hier nur! Pollesch macht faszinierendes Theater daraus. Psychedelischer Dialogterror, musikalisches Geschrei.
(Tom Peuckert, Tagespiegel online, 02.03.2002).

Technische Daten

Uraufführung Podewil, Berlin (in Koproduktion mit dem Luzerner Theater), Mai 2000
Regie René Pollesch
Personenzahl 3 D, Grunddekoration
Rechte Rowohlt Theater Verlag
Hamburger Str. 17
21465 Reinbek
Tel. +49 40 7272270
Fax +49 40 7272276
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