Neue deutsche Dramatik - Stücke

Vineta (Oderwassersucht)

Steve war Boxer. Nach neun Jahren kehrt er heim. Zurück nach Frankfurt/Oder. Er will wieder kämpfen. Doch er ist 32.
Die alte Trainingshalle ist aus finanziellen Gründen nicht mehr beheizbar. Der ehemalige Trainer jobbt in Nachtzügen bei der Mitropa.
Dessen Tochter Rosa, einst rhythmische Gymnastin, möchte weg. Sie hofft auf die Karriere ihres Freundes, des Boxers Frank. Der möchte ein Kind von Rosa. Franks Vater ist bei einem Unfall ums Leben gekommen. Die Mutter ist mittlerweile eine arbeitslose Alkoholikerin. Leila, Steves große Liebe, arbeitet als Ärztin und ist darüber alleine geblieben. Und Mike - braucht überhaupt Niemanden.

Der heimgekehrte Steve sucht ein Zuhause und eine zweite Chance. Doch alles hat sich verändert. Alle anderen wollen weg. Und behaupten sich doch, entwickeln mit Trotz, Humor und Selbstbewußtsein Überlebensstrategien. Sie leben und halten sich aus, an dem Ort, an dem sie nun einmal gemeinsam aufgewachsen sind - ihrer Heimat.
(Dreimasken Verlag, München)

Stimmen zum Stück:

"Zukunft ist ausverkauft, und auch wer sich auf die Suche nach seiner Kindheit macht, der sagenhaften Stadt, kann sich gleich ertränken - (oderwassersucht). Und doch, und doch ist dieses Stück eine traurige Liebeserklärung an die Randstädte Ost. Nicht nur an Frankfurt/Oder selbst, wo es inzwischen kein Stadttheater mehr gibt. Sondern an jeden Ort, wo noch auf sandigen Zeltplätzen gegrillt wird, der Generationen verbindende Kartoffelsalat gegessen und unter permanentem Geplapper viel zu süßer Rotwein verschüttet wird. In einer halb nur geträumten Grillszene wird ein altes DDR--Lied mit neuem Text gesungen: meine heimat das ist nicht nur das heute und/ gestern und das was ich sehe und höre und fühle und/ schmecke und vergesse und wünsche und verstecke/ nein das ist auch der sprung vom hochhaus/ und die träne
(Petra Kohse, Stückwerk III)

Eigentlich ein Sozialdrama, diese "Oderwassersucht", wie der Regisseur und Autor sein "Fight City. Vineta" im Untertitel nennt (Anm. der Redaktion: Für die hier gemeinte Inszenierung des Hamburger Thalia Theaters wurde das Stück in "Fight City. Vineta" umbenannt). Denn was er da in der versunkenen Traumstadt Frankfurt an der Oder zehn Jahre nach der Wende an Personal versammelt, muss jedem mitfühlenden Zeitgenossen das Wasser in die Augen treiben. Erfreulicherweise verzichtet der Autor auf jede Umarmungs-Strategie, legt ordentlich Distanz zwischen sich und seine Leute. Miese Typen werden nicht sympathisch zurechttheatert, jeder darf reden und tun, bis er sich selbst und seinen Rest-Charakter erledigt hat. Natürlich bleiben dann immer noch Menschen übrig, das ist das Problem. Weil sich an den Ursachen für das ganze Elend, die hinlänglich bekannt sind, seit zehn Jahren nichts geändert hat, wäre es verlogen, eine Hoffnung zu behaupten. Tut auch keiner in diesem Stück. Und geheucheltes Verständnis aus dem Parkett muss auch niemand fürchten.
(Franz Wille, Programmheft der Mülheimer Theatertage, 2002)

Technische Daten

Uraufführung Schauspiel Leipzig und Freie Kammerspiele Magdeburg, 18.05.2001
Regie Markus Dietz (Leipzig) / Wolf Bunge (Magdeburg)
Personenzahl 3 D, 4 H
Rechte Drei Masken Verlag GmbH
Herr Guido Huller
Mozartstr. 18
80336 München
Tel.: 089-54456-909, Fax: 089-53819952
Navigationssymbolinfo@dreimaskenverlag.de
Übersetzungen Theaterbibliothek