Neue deutsche Dramatik - Stücke

Klaras Verhältnisse

Klara weiß ganz genau, was sie nicht will. Sie will keine Gebrauchsanweisungen für Bügeleisen und ähnlich nützliche Haushaltsgegenstände mehr schreiben, sie will auch kein Fall für das soziale Netz werden. Sie will die Fragen beantworten: "Wo bin ich. Wer bin ich. Wofür bin ich. Und schließlich: was tun."
Sie will "einen Beitrag leisten zur Lösung der Probleme, die uns im kommenden Jahrtausend so unterhalten werden. Sie sucht eine große Aufgabe, die sie befriedigt. Auf der Suche nach einem ausgefüllten Leben begegnen ihr die unterschiedlichsten Sehnsüchte und Begierden, scheint sie nur Projektionsfläche für die Wünsche der anderen zu sein. Da sind ihre ordentliche Schwester Irene, die ihre homosexuellen Neigungen entdeckt, ihr Schwager Gottfried, ein kleiner Bankangestellter, der zum Bankräuber wird und mit ihr nach Afrika reisen möchte, der Arzt, der ihr Blut abzapft und an die Wäsche geht, die frühpensionierte Biologielehrerin Elisabeth, die eifersüchtig auf ihren Geliebten ist, Tomas, der Trödler, der sie doch nicht heiraten möchte, und der namenlose Chinese, dessen Frühlingsrolle eindeutig ein Gedicht ist. Nur eine ausfüllende Arbeit, einen Platz im Leben scheint ihr niemand anbieten zu wollen.
"Klaras Verhältnisse" ist eine tragik-komische Gratwanderung zwischen Realität und Traum, zwischen hochfliegenden Wünschen und banalen Abgründen.
(aus dem Programmheft des Verlags der Autoren)

Stimmen zum Stück:

Nichts ist klar in den scheinbar so sicheren Entwürfen dieser Durchschnittsbürger, nichts wird klar in den 17 Szenen des Dramas. Darin gerade liegt die Qualität dieses neuen Textes von Dea Loher. Erstmals konfrontiert die Autorin ihre Figuren nicht mit tragischen Extremsituationen wie Folter, Inzest, Mord. Erstmals entdeckt sie die tragische Fallhöhe in der Gewöhnlichkeit bürgerlichen Alltags, in der Isolation des Einzelnen innerhalb des ganz normalen Egoismus einer Gesellschaft, die das Geben verlernt. Erstmals durchzieht auch eine zarte Komik die Dialoge.
(Cornelia Niedermeier in der taz, 3. April 2000)

Technische Daten

Uraufführung Burgtheater Wien, März 2000
Regie Christina Paulhofer
Deutsche Erstaufführung Thalia Theater Hamburg, Oktober 2000
Regie Mark Zurmühle
Personenzahl 3 D, 4 H
Rechte Verlag der Autoren
Schleusenstr. 15
60327 Frankfurt a. M.
Tel. 069/ 238574-20, Fax: 069/ 24277644
theater@verlag-der-autoren.de
Übersetzungen Theaterbibliothek