Neue deutsche Dramatik - Stücke

Der dritte Sektor

Anna ist Schneiderin. Martha ist Köchin. Beide sind alt. Alt ist auch Meier Ludwig, der Chauffeur (laut Regieanweisung dargestellt von seinem Hund). Lediglich die ausländische Putzfrau Xana scheint nicht zum Urgestein des Hauses zu gehören, und es stellt sich die Frage, wo sie, bleich und stumm, überhaupt hingehört.
Sie sind alle Dienstboten - ohne eine Herrin. Denn diese taucht nicht auf. Und sie warten. Warten und erinnern sich, verletzen sich gegenseitig, und durch die Worte, die aus ihnen hervorquellen, schaffen sie sich für Momente ein eigenes Leben. In ihren gnadenlosen Ritualen der Erinnerung und der Bosheit sind sie tragisch und komisch zugleich. Was ihnen von ihrem Leben geblieben ist, ist ein gebeugtes Rückgrat, eine kranke Seele und das Gefängnis der eigenen Geschichte. Ein deformiertes Leben, das aus der Distanz betrachtet oft nur noch zum Lachen ist.
(Verlag der Autoren)

Stimmen zum Stück:

Worum geht es? Um das unerreichbare Glück, um den nicht vorhandenen Gott, um Menschen, die ihr Leben als Dienstboten verbringen müssen, erniedrigt im Dienst nicht von etwas Höherem, sondern im Dienst einer gemeinen, bösartigen Herrschaft, darum geht es. Es geht vielleicht auch um die Zukunft, um unsere Zukunft, wo alle alt und älter werden, wo man nur noch in Höhlen leben kann und nicht mehr hinaus in die Sonne darf, wo die meisten im "Dritten Sektor", dem Dienstleistungssektor arbeiten.
(Ulrike Kahle im Tagesspiegel, 21.5.01)

Technische Daten

Uraufführung Thalia Theater Hamburg, Mai 2001
Regie Dimiter Gotscheff
Personenzahl 3 D, 1 H
Rechte Verlag der Autoren
Schleusenstr. 15
60327 Frankfurt a. M.
Tel. 069/ 238574-20, Fax: 069/ 24277644
theater@verlag-der-autoren.de
Übersetzungen Theaterbibliothek