Neue deutsche Dramatik - Stücke

Jeff Koons

Erste Verunsicherung: Das Stück heißt "Jeff Koons", aber der Nippes-Kitschier Koons tritt im Text nicht auf.
Zweite Verunsicherung: Nicht nur Koons tritt nicht auf, sondern überhaupt niemand. Auf Rollen, Dialoge und Handlung hat Rainald Goetz großzügig verzichtet. Dafür fängt das Stück mit dem dritten Akt an, springt dann zum ersten, zappt zwischen lyrischem Schwulst und peppigem Rap und verendet ziemlich subito mit einem sechsten und siebten Akt.
Dritte Verunsicherung: Ein Zusammenhang muss sich nicht notwendig herstellen, kann es aber. In (schätzungsweise) vier Variationen durchspielt Goetz eine Paarbeziehung – im Club, im Bahnhof, im Kunstbetrieb und schließlich das Ende der Liebe (bei einer Vernissage oder Theaterpremiere).
(Christine Richard im Programmheft der Berliner Festspiele zum Theatertreffen 2000)

Stimmen zum Stück:

Man ahnt (...): In diesem Künstlerleben geht vieles kreuz und quer, drunter und drüber. Und begreift: zu verstehen, auf Ideenzusammenhänge, auf strikte Sinn-Nenner festzulegen ist eine solche Existenz so wenig wie dieser Text. Vieles bleibt dunkel und diffus, hermetisch und schrundig. (...) Jeff Koons kommt im Stück real nicht vor – und ist doch omnipräsent: der Name als Hallraum, der tausend Assoziationen wachruft. (...) es gibt keinerlei szenische Vorschriften. So rasch die Schauplätze wechseln (...), so abrupt wechseln auch die Tonlagen. Poesie und Konversationsfloskeln, Lyrismen und Banaljargon in fließendem Übergang – die Sprache ist durchgängig rhythmisiert, musikalisiert. Die offene Form, der Verzicht auf klare dialogische Strukturen macht den Text faserig, flirrig, aber auch reizvoll und rätselhaft, erlaubt der Regie alle denkbaren Les- und Spielarten.
(Gerhard Jörder in DIE ZEIT, 22. Dezember 1999)

"Jeff Koons" ist Sprachkunst, ist Leichtigkeit, ist Rhythmus und Stillstand. Das Stück erzählt von Banalität und Schwere, von Diskussion und Gerede, von Kitsch und Kunst, von Party und Elend, von Oberfläche und Abgrund, von der Sucht nach Schein und der Lust aufs Authentische.
(aus dem Programmheft des Wiener Burgtheaters)

Technische Daten

Uraufführung Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Dezember 1999
Regie Stefan Bachmann
Personenzahl Personen ad libitum, veränderliche Grunddekoration
Rechte Suhrkamp TheaterVerlag
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Übersetzungen Theaterbibliothek