Neue deutsche Dramatik - Stücke

4 Millionen Türen

"Ein Zimmer mit vier Türen. Ernst, dazu Bendt, später dazu Ella, noch später dazu Felix sind offenbar zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen, warten in dem Zimmer mit den vier Türen wohl darauf, hereingebeten zu werden.
Ihr gegenseitiges Kennenlernen birgt Risiken: Jeder, der neu zur Tür hereinkommt, könnte auch der Arbeitgeber sein, der sich als Arbeitsuchender tarnt, um die Kandidaten zu prüfen. Jeder Kandidat verkörpert eine typische Rolle. Ernst ist der naiv-unsichere Schüchterling, Bendt der dominante und selbstsichere Macho, Felix sozialkritischer Ankläger, Ella ausgleichend harmonisierende Weiblichkeit, und tatsächlich ist das Zusammentreffen der vier Bewerber inszeniert." (Suhrkamp Theaterverlag)

Stimmen zum Stück:

„Man kann nicht nicht kommunizieren. An diese Erkenntnis von Ludwig Wittgenstein erinnern die Stücke von Martin Heckmanns. Seine Figuren leiden an der Sprache und ihrer marktorientierten Besetzung ebenso wie an der Sprachlosigkeit dort, wo sie ganz authentisch und bei sich sein wollen. Man kann nicht nicht partizipieren an der Umwandlung von Gefühlen und Beziehungen in Gegenstände der Evaluierung und effektiven Bemessung. … 4 Millionen Türen spielt dort, wo keiner genau weiß, ob er ‚arbeitslos’ ‚oder doch eigentlich Unternehmer’ ist. Jedes Gespräch wird zur Trainingssituation; Beleidigungen und üble Anmache tarnen sich als rhethorische Übung, jeder Anflug von Sympathie wird gleich als Indiz der Teamfähigkeit gewertet. …Noch ist 4 Millionen Türen kein Stück aus einem Guss; aber gerade deshalb läßt sich der Wandel der Figuren von den Dramatis Personae des postmodernen Trauerspiels zur nachfrageorientierten Ichbaustelle nachvollziehen. Zwei Modelle von Theater prallen aufeinander: die Geschichte einer persönlichen Rache, in der es um den Tod einer jungen Frau, um Fragen von Schuld und Verantwortung geht, wird platt gewalzt von den Geschichten der Konkurrenz, der Selbstbeobachtung, der Arbeit am eigenen Marktwert. Ganz kurz nur lassen sich die Personen von ihrer Betroffenheit aus dem Kurs bringen, dann überstrahlt das Image-Lifting wieder jede Spur von Charakter.“ (Kathrin Bettina Müller, taz, 23.12.2002)

„Die Komödie dekliniert die als Schauspiel-Etüde und als prompte gegenwartsentlarvende Metapher an sich schon immens geeignete Bewerbungssituation ungeziert weiter hinauf in metaphysische Regionen. Und hebelt dort mit kühler Sachlichkeit jeden Kinderglauben an Selbst- und Weltgewissheit aus.“ (Ulrich Seidler, Berliner Zeitung, 4.10.2004)

Technische Daten

Uraufführung 1.10.2004, Deutsches Theater, Berlin
Regie Eike Hannemann
Personenzahl 1 D, 4 H
Rechte Suhrkamp Verlag
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