Neue deutsche Dramatik - Stücke

Kränk

"Ein Vater und sein rebellierender Sohn. Eine Mutter und ihre eigensinnige Tochter. Zu sagen haben sich die Generationen wenig. Sie sind in unterschiedlichen Sprachspielen zu Hause. Die Eltern kennen sich von der Arbeit und denken an eine Affäre, die Kinder denken an die Liebe. Unbedingt soll sie sein, groß und symbiotisch, in einer anderen, besseren Welt.
Der Weg dahin führt über eine neue Sprache, die sie zu erschaffen suchen."
(Suhrkamp Theater und Medien)

Stimmen zum Stück:

"Vater, Mutter, Kind (ein Sohn); dazu: noch eine Mama und deren Tochter (…). Also ein Familienstück, wie es viele gibt. Keimzelle des Lebens wie des Theaters. (…) Auch als postmoderne Groteske liegt das Grundmuster nunmehr vor. Als Verbalakt von Figuren, deren Geschichte, Psyche, ja, Handlung auf die sprachliche Interaktion von Funktionsträgern abgestellt, eingedampft ist. Gegen den Vater und seine Herrschaft, seine Ordnung rebelliert der Sohn, dieses Bürschchen, das sich nicht Christoph, sondern Ernk nennt und die Lautverschiebung zum Werkzeug im Generationenkonflikt macht. Kränk sagt er statt krank, änders statt anders. (…)
Martin Heckmanns (…) hat den alten, uralten Inhalt zum sprachstrukturellen Modell sublimiert (…), ein Sprung in der Entwicklung des Autors (…), der vor einem Jahr nach Mülheim mit einer Textcollage zur Selbstentfremdung von Menschen im Zeitalter der Globalisierung kam (‚Schiess doch, Kaufhaus!')Jetzt läßt die Analyse tiefer blicken: in die Abgründe sprachschöpferischer Weltdeutung und - scheiternder - Weltveränderung im besonderen.
Denn was so lapidar und albern, unerheblich daherkommt und noch das Boulevardtheater durchscheinen läst, ist nicht weniger als der Kampf der Söhne gegen die Väter, Kampf auch der Geschlechter und der Jugend gegen das Alter, das Althergebrachte (…) und des Wechsels überhaupt gegen den Bestand, den man insgesamt Geschichte - im großen wie im kleinen - nennt (…). Die Raffinesse dieses Textes ist ganz außerordentlich."
(Dietmar N. Schmidt in: Programm der Mülheimer Theatertage 2004)

"(…) Heckmanns neues Stück ist (…) ein knapp geschnitztes Dialogstück, das vordergründig so tut, als segele es lediglich auf lauen Gewässern heutiger Befindlichkeiten: In Heckmanns' Kürze liegt allerdings insofern die Würze, als er mit lakonischer Präzision verquere Familienstrukturen frei legt. Dabei ist Heckmann kein Bühnenpädagoge, sondern ein bitterböser Sprachturner (…)."
(Jürgen Berger in: Süddeutsche Zeitung, 15.03.2004)

Technische Daten

Uraufführung 11.03.2004, Schauspiel Frankfurt
Regie Simone Blattner
Personenzahl 2 D, 2 H
Rechte Suhrkamp Verlag
Lindenstr. 29-35
60325 Frankfurt/Main
Postfach 101945 60019 Frankfurt/Main
Tel: 069-75601701
Fax: 069-75601711
Navigationssymboltheater@suhrkamp.de
Übersetzungen keine