Neue deutsche Dramatik - Stücke

Synchron

Sibylle und Frunz, die sich selber als ideales Paar sehen wollen, verheddern sich in der Unmöglichkeit, Gegenwart gemeinsam zu erleben. Sibylle träumt von der Schauspielkarriere und Frunz, von Beruf Schriftsteller, davon, für Sibylle die perfekte Rolle zu schreiben. Die Realität sieht anders aus: - Sie arbeiten in einem Synchronstudio, in welchem Frunz und Sibylle Pornodarstellern ihre Stimme leihen, begleitet von einem zweiten Paar, Elfi und Meier-Quassi, die für die eindeutige Geräuschkulisse im Hintergrund zuständig sind.
Unterbrochen wird die Synchronisation gelegentlich durch philosophische Kommentare des Aufnahmeleiters aus dem OFF über die verschiedenen Definitionen von Identität. Ein drittes, älteres Paar, Herr und Frau Zumpe, symbolisiert Gegenwart und Zukunft der Beziehung von Sibylle und Frunz. Die beiden Paare treffen in einem Restaurant in Venedig aufeinander, wohin jedes Paar einst seine Hochzeitsreise unternommen hatte. Sie verbleiben jedoch jeweils in ihrer eigenen Zeitschiene, denn in Wirklichkeit liegen Jahrzehnte zwischen ihnen. Schließlich hebt dieses zeitliche Wechselspiel die Gegenwart der Figuren auf, so dass sie sich immer mehr zwischen den Vorstellungen ihres Lebens, wie es sein könnte, und Bruchstücken der Wirklichkeit verlieren.

Stimmen zum Stück:

"Sibylle und Alfred Frunz greifen immer aneinander vorbei ins Leere, umarmen immer nur die Projektionen des anderen, die heiße Luft zwischen ihnen. Alfred, …, ist ein verhinderter Komödiendichter in der Schreibkrise, der für die Schauspielerin Sibylle ein Stück schreibt, das ihr zum Durchbruch verhelfen soll. Das Stück wird natürlich nie fertig, und weil Alfred überhaupt nur schreibt, um sich für Sibylle interessant zu machen, diese sich jedoch durch sein Schreiben in eine Fiktion verwandelt, fühlt Sibylle sich als wirkliches Wesen verschmäht - genau so wie umgekehrt Alfred. Jeder verwandelt sich in des anderen Albtraum, Sibylle wird zur Stimme, Alfred zu jenem Koffer, worin er sein Manuskript verwahrt. Aber das Problem der beiden ist nur ein Deckbild für das immanente Scheitern des Versuchs, in derselben Zeittaktung zu schwingen."
(Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung online, 2.05.02)

Technische Daten

Uraufführung Schauspielhaus, Zürich, 30.04.2002
Regie Christoph Marthaler
Personenzahl 5 D, 7 H, 1 Dekoration
Rechte S. Fischer Verlag GmbH
Theater und Medien
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