Neue deutsche Dramatik - Stücke

Die Ballade vom Nadelbaumkiller

Clash of generations: Rebekka Kricheldorf schickt Vertreter der 68er ("Babyboomer"), der "thirty-somethings" (auch "Generation Golf" genannt) und der so genannten "Netzwerkkinder" in den Ring. Jan Mao ist Opfer antiautoritärer Erziehung und auf der Suche nach Grenzen. Er inszeniert sich als moderner Don Juan und verprasst das Geld seines Vaters Franz, ehemaliger Hippie.
Der ist mittlerweile Chef einer gut gehenden Werbeagentur und will seinen Sohn zum Nachfolger küren. Jan will aber nicht, kann auch gar nicht, bewältigt er doch schon den Alltag nur durch Dienstleistungen des arbeitslosen Leporello Rudolf, dem Sohn eines Fischhändlers. Dabei ist der mit vier cum laude-Abschlüssen reichlich überqualifiziert für diesen Hilfsjob. Elvira, ehemals Weg-Genossin und heute beste Kundin von Franz, ist sexuell befreite Unternehmerin. Die soll helfen, Jan auf den rechten Weg zu bringen. Dabei hat sie schon Stress mit Tochter Anna, weil die ihr Leben rein erfolgsorientiert nach dem Kosten-Nutzen-Faktor plant. Und dann ist da noch Tine, die sich und Handyverträge gegen Cash verkauft.
Kommunikation zwischen den Generationen ist nicht wirklich möglich und so treffen die Figuren aufeinander wie Fremde, die sich voller Ironie begegnen. Der Mythos von Don Giovanni steht Pate, doch auch der mahnend klampfende Geist vom inzwischen toten Franz kann seinen Sohn und ein Rudel Flamingos nicht vor dem tragischen Ende retten.
(Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb)

Stimmen zum Stück:

"Mit der ‚Ballade vom Nadelbaumkiller' schließt Rebekka Kricheldorf an ‚Prinzessin Nicoletta' an, übertrifft ihren ersten Erfolg aber, indem sie ihre Geschichte nicht im Märchenland beläßt, sondern in der jüngsten BRD-Wirklichkeit ansiedelt. Der altlinke und neureiche Papa Franz hechelt seinem verlorenen Sohn hinterher und begreift nicht, dass der nur ein Prinz Playmobil und auserwählter Konsumist mit der Brieftasche des Vaters in der Hand sein will. Kricheldorf überzeichnet ihre Figuren, macht aber auch deutlich, warum die neunziger Jahre so müde wirkten. Jan Mao ist ein sympathischer Snob, mehr nicht. Und das reicht nun einmal nicht für einen anständigen Clinch mit dem Papa."
(Jürgen Berger in: Theater Heute, 7/2004)

"Rebekka Kricheldorf beschreibt mit wissendem Blick die Krankheit der heutigen Jugend, dass es in einer Zeit der Handyritter und Ich-AG's kein Feindbild mehr gibt, keine Vision, die andere nicht schon besser scheitern ließen - ein munteres Generationen-Scharmützel mit einem Show-Down, bei dem die Karten noch einmal neu gemischt werden"
(Silvia Stammen, Mitglied des Auswahlgremiums für die Mülheimer Theatertage 2005)

Technische Daten

Uraufführung 18.05.2004 Staatstheater, Stuttgart
Regie Erich Sidler
Personenzahl 3 D, 3 H
Rechte Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH
Schweinfurthstr. 60
14195 Berlin
Tel: +49 30 8231066
Fax: +49 30 8233911
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