Neue deutsche Dramatik - Stücke

alter ford escort dunkelblau

"Ein alter Ford Escort dunkelblau auf dem Weg nach Legoland - Schorse weiß doch, was sein Sohn sich wünscht. Weil Karin, seine Ex das nicht verstehen kann, sammelt er den Jungen direkt auf dem Schulweg ein. Auch Boxer ist mit von der Partie, dem hatte es die bunte Plastikwelt schon damals angetan. Da war Boxer dreizehn und seine Mutter noch nicht vom Balkon gesprungen. Mit im Bunde ist noch der Paul, Sohn vom Getränkehofbesitzer, bei dem die drei zusammen Kästen hucken, natürlich für ein Spottgeld und ohne feste Anstellung. Paul soll mal den Laden übernehmen, ein Abitur brauchts dafür nicht. Jetzt sitzt er eher unfreiwillig mit im Boot als Teil einer täglichen Fahrgemeinschaft, die heute statt zur Arbeit spontan Kurs in Richtung Freiheit genommen hat. Die Fahrt geht durchs Mansfelder Land, eine verödete Landschaft, zugedröhnt mit Schorses AC/DC-Sound, und endet irgendwo nach dem Boxenstop an einer Tanke - das Auto endlich im Eimer, die Männer besoffen, das Kind nur zufällig noch am Leben. - In kurzen lakonischen Sätzen erzählt der junge Autor Dirk Laucke von Menschen, die auf der Flucht aus ihrer sozialen Misere eingeholt werden, vom ganz normalen Leben."
(Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb)

Stimmen zum Stück:

" es hat nichts Beschönigendes und auch nichts aufgesetzt Dramatisches wie Dirk Laucke in seinem Stück "alter ford escort dunkelblau" vom Schicksal dieser Figuren berichtet, die sich ebenso beherzt wie ungeschickt nicht mit der Ausweglosigkeit ihrer Lage abfinden wollen. Es zeugt vor allem von einer großen, aufmerksamen Nähe des jungen Autors gegenüber dieser unscheinbaren, höchstens einmal im Katastrophenfall von grellen medienscheinwerfern beleuchteten Welt. (…) Wie aus dem kleinen Abstecher von Schorse, Boxer und Paul in die Freiheit des Mansfelder Landes beinahe ein Horrortrip und dann doch noch für alle auf ganz unterschiedliche Weise die Reise in ein anderes Leben wird, beschreibt er mit einer unverblümt authentischen Sprache und einem wachen Blick für das Lebensgefühl der Menschen, die seit einiger Zeit gern pauschal als Unterschicht abklassifiziert werden. Ohne Sentimentalität und soziale Diffamierung verfolgt er ihre nicht immer mit Erfolg gekrönten Versuche, einen Rest von Stolz zu bewahren und dem Leben noch einmal eine eigene Richtung zu geben."
(Silvia Stammen, Mülheimer Theatertage)

 

Technische Daten

Uraufführung

27. Januar 2007, Städtische Bühnen Osnabrück

Regie Henning Bock
Personenzahl 1 Dame, 3 Herren
Rechte Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs-GmbH
Schweinfurthstr. 60
14195 Berlin
Tel:+49 30 8231066
Fax:+49 30 8233911
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Übersetzungen Theaterbibliothek