Neue deutsche Dramatik - Stücke

Liebesruh

Regine und Karl sind miteinander alt geworden. Ihr Urlaub am Meer ist schön wie in all den Jahren zuvor. Sie gehen spazieren und jeden Abend tanzen; auch wenn Karl bisweilen ein wenig müde ist. Doch eines heiteren Morgens wacht Regine nicht auf.
Sie hat einen Schlaganfall. Wieder in Deutschland zurück erfährt Karl, dass sie gelähmt bleiben wird, sie kann nur noch die Augen bewegen und so mit ihm sprechen. Das Leben geht seinen Gang. Karls Kollegen reden über Frauen, übers Essen und ihre Urlaube, Karls Bruder hat wieder einmal eine Neue und die Nachbarin monologisiert im Treppenhaus - für Karl ist alles fremd jetzt. Weil er seiner Frau nicht helfen kann und weil er ohne sie überhaupt nicht weiß, wie er leben soll. Er fühlt sich sinnlos und verloren und weist alle Angebote, sich helfen zu lassen ab. Als seine Einsamkeit zu groß wird, unternimmt er den einzigen Schritt, der für ihn eine Befreiung darstellt - er tötet Regine.

(Thalia Theater)

Stimmen zum Stück:

"Karl muß von heute auf morgen mit der Tatsache leben, daß seine Frau Regine durch einen Schlaganfall zum Pflegefall wurde. Hoffnung und Mitleid entfachen in ihm einen Konflikt, wie mit dieser Schicksalswende umzugehen sei. Die Umwelt – Freunde, Bekannte – erweist sich als wenig interessiert. Zurückgeworfen auf sich selbst, entschließt sich Karl, seiner Frau als letzten Akt der Liebe den Tod zu schenken. Er leistet Sterbehilfe. Danach allerdings ist auch der Sinn seines eigenen Lebens ausgelöscht.

So wird in diesem Stück die Frage nach der Berechtigung von Euthanasie in einer sozial verarmten Welt gestellt, die in diesem Fall aus Liebe und Erbarmen heraus vollzogen wird und dennoch für lange Zeit ein gesellschaftlicher Streitpunkt bleiben wird."

(Die Zeit, Kulturkurier, 10.12.2006)

"Der Autor findet die richtigen Worte und Situationen, die weder im Hyperrealismus erstarren noch in Künstlichkeit abdriften. Ihm geht es nicht um das Thema Sterbehilfe, sondern er zeigt auf, wie ganz normale Menschen mit einer alltäglichen Katastrophe umgehen." (taz, 15.10.05)

 

Technische Daten

Uraufführung

Thalia Theater, 12.10.2005

Regie Isabel Osthues
Personenzahl 2 D, 6 H
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