Neue deutsche Dramatik - Stücke

Liebe ist nur eine Möglichkeit

Bernhard kann weder lesen noch schreiben. Weil er seine Arbeit nicht verlieren will, darf keiner von seinem Makel erfahren. Er ist auf seinen erfolgreichen älteren Bruder angewiesen, der ihn bevormundet. Seine Arbeitskollegen nehmen ihn nicht ernst.
Als er den Sprung in die Unabhängigkeit wagt und mit Hilfe einer Partnervermittlung die attraktive Philippinin Graziella heiratet, ist er erst recht dem Spott der anderen ausgesetzt. Insgeheim beneiden sie ihn. Graziellas Auftauchen bringt die scheinbar so wohlgeordneten Beziehungsgefüge in Bernhards Umfeld durcheinander. Plötzlich stehen alle Machtverhältnisse zur Disposition.

In der Tradition des kritischen Volksstücks beschreibt Christoph Nußbaumeder die kleinbürgerlichen Lebensumstände, in denen wie nebenbei latenter Rassismus, chauvinistische Geschlechterbilder und rücksichtslose Wohlstandsambitionen sichtbar werden.

Stimmen zum Stück:

" All das Glimmen und Feuern in der ganz normalen Spießerhölle, all die qualvollen Nöte eines einzelnen um sein bißchen Selbstbestimmung gegen den Druck der Mehrheit, gegen Bigotterie, Vorurteile, Neid, Rassismus und Machismus packt Nußbaumeder ins Lebenspralle. (…) Was bei geringeren Talenten zu verkopften sozialpsychologischen Essays gerinnt, die sie mehr oder minder geschickt den Gerippen ihrer Gutmenschen anpappen, das alles wird bei Nußbaumeder ungeniert und witzig zu Herzlust- und weh. Saftig sentimentales Volkstheater eben, aber frei von Volkstümlichkeit. Kein anämisches Typen-, Trash-, Soap- und Knallchargen-, sondern dralles Menschentheater, gar komisch und immerzu tragisch grundiert."
(Reinhard Wengierek, Die Welt 19.10.2006)

"Vieles wirkt im besten Sinne unzeitgemäß in "'Die Liebe ist nur eine Möglichkeit', allein schon das Genre des kritischen Volksstücks, das kraftvoll und geradlinig eine Geschichte erzählt, ohne Verfremdung und Verrätselung - ungesampelt, unhip. Hier treibt jeder Satz die Fabel voran wie ein Gewindeschneider, und die Sprachlosigkeit der Figuren wird wortmächtig."
(Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung, 20.10.2006)