Neue deutsche Dramatik - Stücke

Mindlfinger Goldquell oder Wir scheißen auf die Ordnung der Welt

"Mindlfinger Goldquell ist "ein Weltereignis von einer Heilquelle". Und da Trinkwasser das Erdöl der nächsten Generation sein wird, plant Dr. Glas, Vorstandsvorsitzender der Mindlfinger Goldquell AG, zu expandieren. Doch dazu braucht er die Einwilligung der 70-jährigen Anna Durstlwitz, der das Grundstück samt neu zu erschließender Heilwasser verdächtiger Quelle gehört. Und die weigert sich - um jeden Preis - strikt, zu verkaufen.
Sei es aus Altersstarrsinn, Alzheimer im fortgeschrittenen Stadium oder einfach nur aus klarsichtiger Menschenkenntnis. Statt ihren Lebensabend als Millionärin zu genießen, zieht sie es vor, durch den Getränkemarkt ihres Sohnes Robert Durstlwitz zu streifen, kryptische Lebensweisheiten und "extrem exkrementische" Spuren zu hinterlassen.

Während sich die Elterngeneration in immer abstruseren Geschäften und Liebesabenteuern verstrickt, übernehmen ihre Kinder insgeheim das Ruder: Bei einem letzten Walzer mit ihrem Enkel Roland kommt Anna ums Leben. Doch ihr Tod bleibt unentdeckt. Da - die zunächst von Robert verschmähte Tanzpartnerin - Lena in Annas Kleider und Toupet schlüpft und für alle Beteiligten absolut glaubhaft die Alte gibt. Sie verkauft das Grundstück samt Heilwasser, das in Wahrheit nur schlichtes Quellwasser ist. Doch bevor sich Robert und Lena mit dem Geld absetzen können, decken sie die menschlichen und geschäftlichen Schweinereien der Eltern auf. Zwischen Leichenbergen und Getränkekästen häufen sich die Skandale. Einen nach dem anderen bringen die beiden um die Ecke, bis eine heilsame Explosion ihnen zu Hilfe kommt und der gesamte Konzern in die Luft fliegt."
(Landestheater Tübingen)

Stimmen zum Stück:

"Der … Autor Christoph Nußbaumeder schreibt in der Tradition von Marieluise Fleißer, Martin Sperr, Franz Xaver Kroetz und Rainer Werner Fassbinder. Seine Stücke gehen weit über die Nachzeichnung privater Beziehungen hinaus, leuchten hinein in die globalen Konflikte und Brennpunktthemen unserer Gesellschaft und zeichnen sich allesamt durch eine bodenständige, handfeste, komödiantische und dennoch poetisch-zarte Sprache aus."
(Landestheater Tübingen, Mai 2007)

"In einer Kunstsprache, die an Marieluise Fleißer oder Ödön von Horvath erinnert, untersucht der junge Autor den Generationenkonflikt, der sich im Kampf um eine Heilquelle offenbart. Als Komödie deklariert er seinen sperrigen Stoff, aber was in dem heruntergekommenen Getränkehandel zur Sprache kommt, taugt eher zur Tragödie."
(Esslinger Zeitung, 31.05.2007)

 

Technische Daten

Uraufführung

11.02.2006, Landestheater Linz

Regie Georg Schmiedleitner
Deutsche Erstaufführung

4.05.2007, Landestheater Tübingen

Regie Clemens Bechtel
Personenzahl 3 Damen, 6 Herren
Rechte Suhrkamp Verlag
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