Neue deutsche Dramatik - Stücke

fake reports/die 50 mal besseren Amerikaner

Der Text, basierend auf dem journalistischen Bericht Rögglas ("Really ground zero") über die Ereignisse des 11. Septembers in New York, die sie vor Ort miterlebte, thematisiert das allgemeine Bewußtsein und dessen Veränderung angesichts der Katastrophe.
Die zwar namenlosen Figuren des Stücks, jedoch erkennbar als Vertreter der Medienwelt über das Ereignis vom 11. September berichtend, versuchen in ihrer Rede unter dem Einfluss von Medienbildern und öffentlicher Meinung in Bevölkerung, Politik und Presse ihre eigene Sichtweise für die Verarbeitung des Terrorakts zu finden und verlieren dabei die Orientierung. Am Ende kapituliert jeder vor dem Akt, das Geschehene zu begreifen, eine Haltung dazu zu entwickeln, sich den äußeren Einflüssen zu entziehen und Realität und Bericht auseinanderzuhalten. Man kehrt ernüchtert wieder zum gegenwärtigen Alltag zurück.

Stimmen zum Stück:

"Um Realität annehmbar zu machen, müssen wir sie erst fiktionalisieren. Davon handelt "fake reports", das erste abendfüllende Stück der …Autorin Kathrin Röggla, die den Prozess einer akuten Fiktionalisierung selbst miterlebt hat: in New York, Ground Zero, September 11th 2001. Röggla geht in ihrer dramatischen Auseinandersetzung mit dem dramatischen Ereignis der Frage nach, "wie wir Realität mithilfe der Muster und Vorstellungen produzieren, die wir von der Wirklichkeit haben, und wie diese Realität dann auf uns zurückschlägt"…. Es geht um die kommunikativen Gesten, die unserer Unsicherheit und Panik zu Grunde liegen, um die gesellschaftlichen Riten, mittels derer man diese zu bändigen sucht; nicht nur darum, wie Diskurse - auch jenseits der Verständigungsabsicht - funktionieren, sondern auch wie sie ihrerseits Realität produzieren, besonders wenn "eine Politik der Angst entsteht" (Röggla).
(Wiener Volkstheater, 2002)

"Das Stück "die 50 mal besseren Amerikaner/fake reports" geht den gesellschaftlichen Veränderungen sowie den Verschiebungen der kollektiven Bewusstseinslage vom 11.September 2001 bis heute nach. Es scheint so, als ob Gefühle wie Angst, Panik und Hysterie ständig wach gehalten würden, und so zur Basis einer Politik der inneren Sicherheit und des permanenten Kriegszustandes werden. Man wird sich an ein Leben gewöhnen müssen, in dem "bedroht sein" eine alltägliche Erfahrung ist, gleichgültig wie irreal die Bedrohung ist. …"
(Klaus Völker, Programmheft Mülheimer Theatertage 2003)

Technische Daten

Uraufführung 16.10.2002, Volkstheater Wien
Regie Tina Lanik
Deutsche Erstaufführung 11.04.2003, Sophiensäle, Berlin
Regie Barbara Weber
Personenzahl 5-6 Pers. (variabel), Grunddekoration
Rechte S. Fischer Verlag GmbH
Theaterabteilung
Hedderichstr. 114
60596 Frankfurt/Main
Postfach 700355
60553 Frankfurt/Main
Tel: 069-6062271, Fax: 069-6062355 theater@s-fischer.de
Übersetzungen Theaterbibliothek