Neue deutsche Dramatik - Stücke

Wandernutten

In 'Wandernutten' beschreibt Theresia Walser mit leichter Hand und einem sicheren Gespür für Komik die Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Auf der einen Seite eine männliche Tischgesellschaft: Albert, dem es am Schönsten scheint, auf Frauen zu verzichten; Olaf, der froh ist, wenn er nicht rauchen darf; Rainer, der von Frauenfüßen träumt; und Georg, der jede Wette auf die Treue seiner Frau eingeht. Dieser Männerrunde stellt die Autorin vier Frauen in einer Hotelbar gegenüber.
Drei von ihnen sind Kolleginnen: Leonie, die Wortführerin, Lydia, die Passwortknackerin, und Ines, die Leonie daran erinnern soll, an ihren Mann zu denken. Sie warten auf einen italienischen Partner, mit dem Leonie eine zweifache - geschäftliche wie geschlechtliche - Fusion anstrebt. Männer und Frauen bleiben in Walsers Stück unter sich, mit ihren Problemen und Neurosen. Nur in den Zwischenszenen begegnen sich die Geschlechter, in Gestalt von Ute und Ronnie, dem Pornodarsteller-Pärchen, das auf einer Parkbank über „die schönste Nebensache der Welt“ diskutiert. (Verlag der Autoren)

Stimmen zum Stück:

„ Der Mensch sei eine seßhafte Wandernutte, heisst es im Stück…. Hervorgebracht hat dieses gesellschaftliche Oxymoron jene allgemine Pornographisierung, die Sex als neuen Breitensport versteht, als Spielart des Nordic Walkings sozusagen. Die Liebe geht also am Stock, seit sich der Neoliberalismus Zutritt zum ehedem marktfreien Raum des Schlafzimmers verschafft hat, weshalb Leonie „Geschäftliches und Geschlechtliches“ nicht mehr auseianderhalten kann. Das ist das Thema, über das Theresia Walser drei unglücksrabenschwarze Varianten mit witzigen Glanzlichtern geschrieben und die sie zu einem Theaterabend zusammengeklebt hat,… . Es lassen sich Sätz darin aufstöbern, die man zuhause auf ein Samtkissen legen möchte, Sätze zum Drumherumgehen. Wie in all ihren Theatertexten sind die männlichen und weiblichen Wandernutten vor allem Maulhuren, die nicht nur ihr Herz, sondern ihr ganzes Sein auf der Zunge tragen. Und dabei bewegen sie sich durch den Treibsand des Lebens, indem sie nach jedem Schritt die Sprach-Schienen, über die sie balancieren, hinter sich wieder einsammeln.“ (Christopher Schmidt, Süddeutsche Zeitung, 12.101.2004)

Technische Daten

Uraufführung

Staatstheater, Stuttgart, 9.10.2004

Regie Jacqueline Kornmüller
Personenzahl 6 D, 5 H
Rechte Verlag der Autoren
Schleusenstraße 15
60327 Frankfurt am Main
Tel. 069/23 85 74-20, Fax 069/24 27 76 44
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