Neue deutsche Dramatik - Stücke

Schwarzes Tier Traurigkeit

„Vier Männer, zwei Frauen und ein Baby machen einen Ausflug in den Wald. Sie alle sind schön oder reich oder kreativ, zynische Sticheleien und das immergleiche Spiel um Liebe und Distanz bestimmen die Gespräche. Heute haben sie die Stadt einmal bewusst verlassen, um zu prüfen, was eine Nacht in der freien Natur für sie bereithält.
Dann löst sich unbemerkt ein Funke, der einen infernalischen Waldbrand entfacht. Die Menschen flüchten, werden auseinander getrieben; plötzlich gilt es nur noch, das nackte Leben zu retten. Die Erfahrung von Todesangst, Einsamkeit und eigener Verletzlichkeit angesichts einer entfesselten Natur entlässt die Überlebenden in einen Alltag, dem sie nicht gewachsen sind.“
(Schauspiel Hannover)
Stimmen zum Stück:
„Das Stück ist ein Tryptichon: das Fest, das Feuer und die Stadt, Auf den Dialog folgt das Chaos der inneren Stimmen und darauf eine distanzierte, äußere Perspektive auf die Figuren, denen es nicht mehr gelingt, an das Vorher anzuknüpfen. Der dialogische erste Teil und das Entfachen des Feuers folgen beide in ihrer Entwicklung einer beiläufigen Zwangsläufigkeit: Die Banalität der Gespräche entwickelt sich über die Hitze, die Schläfrigkeit und den Alkoholkonsum zu einer witzig-bösen Rede, die ebenso schnell erstickt wird wie der brennende Zweig, der sich an einer Zigarettenkippe entzündet. Doch längst ist der Funke unbemerkt übergesprungen, und das Feuer überrascht die Schlafenden.(…) Die ersten fünf Minuten des mittleren Teils, das Leuchten, der Schrei, der Körper, werden in der zweiten Person Singular erzählt,(…). Das eben noch scheinbar intakte Individuum zerfällt im metaphorischen wie im realistischen, körperlich-schmerzhaften Sinne.
Für die Überlebenden beginnt eine dunkle Odyssee. Die Natur verwandelt sich von einem leuchtenden, gefährlichen Organismus in ein schwarzes Tier Traurigkeit. Der Tod des Babys wird wieder in der distanzierenden dritten Person erzählt und wäre sonst auch schier unerträglich. (…). Zurück in der Stadt ist es den meisten der Überlebenden unmöglich, in ihr altes Leben zurückzukehren. Sie sprechen übereinander, aber kaum noch miteinander. Und dies dann über Anrufbeantworter oder Dritte. (…) Aber eine hauchdünne Chance fürs Weiterleben gibt es vielleicht – die Kunst hat womöglich das Potenzial und vermag das Unerhörte und Unfassbare zu entfalten.“
(Beate Heine, Jahrbuch Theater Heute 2007)
Technische Daten:
Uraufführung 27.10.2007, Schauspielhannover
Regie Ingo Berk
Personenzahl 3 Damen, 5 Herren
Rechte Felix Bloch Erben Verlag für Bühne, Film und Funk KG
Hardenbergstr. 6
10623 Berlin
Tel.: 030-313 9028
Fax: 030-312 9334
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Übersetzungen Theaterbibliothek