Neue deutsche Dramatik - Stücke

Kredit

Geld besitzt an sich keinen Wert. Es beinhaltet ein abstraktes Glücksversprechen, das nur über den Tausch gegen Waren, Dienstleistungen, Informationen einzulösen ist. Mit Erwerb und Besitz verbindet sich die Illusion, das Glück - Gefühle der Sicherheit, des Wohlbefindens und Zugehörigkeit – festhalten zu können, der Vergänglichkeit zu entreißen. Hinterlässt ein Mensch, wenn er nicht mehr ist, wirklich das, was er besaß? Oder das, was weiterlebt – in anderen? Familienbande. Erinnerung. Eine fragile Angelegenheit…

Im Zentrum dieser Stückentwicklung steht die Erinnerung an Hans, Vater von fünf Kindern, ein in jeder Hinsicht großzügiger Mensch. Seinen zu frühen Tod nehmen seine Kinder zum Anlass, ein lebendiges Panorama an denkwürdigen Geschichten aufzuspannen. Fünf Schauspieler spielen die Mitglieder einer weit verzweigten Familie über den Zeitraum von rund 60 Jahren. Verschiedene Familienfeiern, Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten, Geburtstage, Beerdigungen sind Stationen, anhand derer Begebenheiten rund um die Themen Geld, Gefühle und Tod erzählt werden. Dabei wechselt sich ein vom Autor fixierter Prosatext ab mit improvisierten Dialogszenen, in denen die Schauspieler die Themen und Charaktere jeden Abend aufs Neue entwickeln und fortschreiben.
(Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb)
Stimmen zum Stück:
„Hans ist der Ausgangspunkt der Geschichte, die Kinder gruppieren sich um den toten Vater und erinnern sich: Eine Familienaufstellung im Wortsinn, keine Psychospielchen.
Von leichter Hand skizziert Autor und Regisseur Jan Neumann sein "Familienhistorienspiel“, wie es im Untertitel heißt, um die Familie Huber. Dabei schlüpfen alle Schauspieler einmal in die Rolle des allwissenden Erzählers, der detailreich und mit subtilem Witz die Familiensaga aufdröselt. Dazwischen wird in schnellen, teilweise improvisierten Szenen das Familienleben durch die Jahrzehnte gespielt.

Entstanden ist das nun uraufgeführte "Kredit" als Auftragsarbeit für das Schauspiel Frankfurt (…) im Probenprozess. Bereits zuvor hat der Autor und Regisseur seine zarten, komischen Geschichten zwischen Vorgeschriebenem und Improvisation gesponnen, etwa in "Liebesruh", ein Stück um alternde Liebe und Euthanasie.
Im Zeitraffer geht es durch die Jahre, 1948, 1962, 1974, 1984, 2007, 2008. Zwecks Kontextualisierung wird Hans’ Geschichte mit historischen Daten versetzt – und dann spielt Jurij Gagarins Flug ins Himmelreich bei Hans’ adoleszentem Glaubensverfall plötzlich eine Rolle, die Bankenpleite von 1974 bei seiner Eheschließung und der Vertrag von Lissabon 2007 an seinem 58. Geburtstag.

Auf den obligatorischen Festen finden jene Begegnungen mit den fremd-vertrauten Verwandten statt: zwei Beerdigungen, eine Konfirmation, eine Hochzeit, eine Taufe, ein Geburtstag. Im Zyklus des Lebens biegt Neumann dabei die alte hoffnungsvolle Klammer, jeden Tod mit einem neuen Leben zu verbinden. Skurrile Geschichten vom elterlichen Bauernhof vereinigen sich mit der heterogenen Gemengelage der Nachkommenden, mit Pariser Bohemiens, Finanzgenies und rebellierenden Studenten. Der Clash der Generationen eskaliert regelmäßig in einem aufgeregten und lautstarken Durcheinandergeplapper, bei dem jeder irgendwie einen Brocken abbekommen möchte – sei es Recht, Aufmerksamkeit oder einfach nur das letzte Wort. (…)“
(Esther Boldt, Nachtkritik, 18.01.2008)
Technische Daten:
Uraufführung 18.01.2008, Schauspiel Frankfurt
Regie Jan Neumann
Personenzahl 1 Dame, 4 Herren
Rechte Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs GmbH
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