Neue deutsche Dramatik - Stücke

Der Stein

1934. Eine jüdische Familie muss ihr Haus in Dresden verkaufen. Das Geschäft wird niemand Glück bringen. Mit den politischen Systemen wechseln in den folgenden Jahrzehnten auch die Hausbewohner. Das Stück zeichnet verschlungene Lebenslinien bis in die 90er Jahre nach. Im Zentrum stehen dabei Mutter und Tochter der Familie, die das Haus in den 30ern unter fragwürdigen Umständen erwarb.

Es geht um vielfältige Ansprüche, moralischer, rechtlicher und ganz praktischer Art, um profanes Besitzstreben und um das Nichtloswerden von „Vergangenheit“. Schuld und Verdrängung werden deutlich, eine lange aufrechterhaltene Familienlegende zerbricht. Und immer wieder sind es dabei die Frauen, die das Leben meistern müssen, während sich die Männer davongemacht haben. --- Mit kühnen Zeitsprüngen und widersprüchlichen Figuren vergegenwärtigt Marius von Mayenburgs neues Stück exemplarische Konflikte der jüngeren deutschen Geschichte
(Verlag henschel SCHAUSPIEL)
Stimmen zum Stück:
„In 34 kurzen Szenen springt die Handlung zwischen sechs verschiedenen Jahren (…).
Die Szenen sind so aneinander montiert, dass die jeweils letzten Sätze der vorhergehenden Szene mit den ersten Sätzen der nachfolgenden, in einem anderen Jahr spielenden Szene korrespondieren. Die räumliche Situation jedoch bleibt immer dasselbe Zimmer in demselben Haus an demselben Tisch. So entstehen geheimnisvolle Gleichzeitigkeiten durch drei deutsche Staaten hindurch. Der Raum reichert sich in der Szenenfolge mit Geschichte an. Zugleich wird die Perspektive der Geschichtsdarstellung auf den theatralischen Prozess gelenkt.
(…).
Der Stein‘ bezieht eine eigene Qualität von historischer Vergegenwärtigung durch die Collage. Es entstehen durch die Zeitenwechsel zwei Räume zugleich: der realistische Raum der jeweiligen Szene in ihrer jeweiligen Zeit und der gedankliche Raum des Hauses, dessen Zeitschichten sich in der Gegenwart der Aufführung materialisieren.
(…) So wie die Figuren ihre Vorgeschichte umdeuten und der Stein zum Symbol von Widerstand, Haus und Heimat wird, wenden die Szenenwechsel das zuvor Gesagte. Wir schauen in Vergangenheit und Zukunft der Figuren zugleich und werden Zeuge der Entstehung ihrer Lügen, die in der Gegenwart von 1993 zu selbstverständlichen Wahrheiten geworden sind.“
(Bernd Stegemann, Jahrbuch Theater Heute 2008)
Technische Daten:
Uraufführung 31.07.2008, Salzburger Festspiele / Koproduktion mit der Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin
Regie Ingo Berk
Personenzahl 5 D, 1 H
Rechte Henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin GmbH
Marienburger Str. 28
10405 Berlin
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