Neue deutsche Dramatik - Stücke

Mein Bruder Tom

„Toms Kompanie wurde gerade von einer Bombe in Stücke gerissen. Er ist der einzige Überlebende. Er setzt sich in ein Erdloch und wartet darauf, daß alles vorbei geht. Seine beiden Schwestern nehmen unterdessen an einer beliebten Reality-TV-Show teil. Die Teilnehmer müssen so lange gegeneinander kämpfen, bis der einzige Überlebende in den echten Krieg ziehen darf. Die Schwestern bezeugen sich ihre Liebe, bevor sie aufeinander losgehen.

Robert und Sophie, vor langer Zeit einmal Mutter und Vater einer glücklichen Familie, flüchten durch ihre zerstörte Heimat. Sie begegnen der zähen Kriegsreporterin Helena, die ihnen sehr bekannt vorkommt. Doch bevor Mutter und Vater begreifen, wer vor ihnen steht, verlieren sie sie im Getümmel des Krieges. Einsam bleiben die beiden auf dem Schlachtfeld zurück.

Es ist der Krieg in seinen vielen Facetten, der in ›Mein Bruder Tom‹ zu Wort kommt.“
(Suhrkamp Verlag, Theater und Medien)
Stimmen zum Stück:
„ ‚Mein Bruder Tom‘ ist ein Stück, das verschiedene perspektiven rund um diesen Bruder beschreibt, der einen der vielen Kriege, um die es gehen könnte, nicht überlebt hat. Keines der disparaten ‚Paare‘ Ellen und Gloria, Sophie und Robert, Tom und Sky, Laif und Helena scheint mit sich selbst oder dem jeweils anderen viel zu tun zu haben. Was sie am Leben hält, ist ein brüchiger Faden, etwas, an das sie sich, wie auf einer Mondlandschaft oder nach jedem denkbaren SuperGAU die Erde betrachtend, flüchtig erinnern, ohne dieser Erinnerung aber tatsächlich habhaft zu werden oder sie auf ein (Lebens)-Ziel hin beschreiben zu können. Die Autorin, Dramaturgin und Regisseurin Bettina Erasmy betrachtet diese Figuren und folgt ihnen wie hinter Glas. Leidenschaft, Trauer, Freude sind zu abstrakten Größen geworden, die einzigen Reize, die Reaktionen zeitigen, sind Attacken auf die sowieso allumfassende körperliche Versehrtheit der Figuren.“
Jahrbuch Theater Heute 2007, Susanne Winnacker


Irak, Afghanistan, Ruanda, Tschetschenien – Bettina Erasmy fasst real existierende Schauplätze hier zu einem großen, synoptischen, ortlosen Kriegsphänomen zusammen und zoomt vor dieser Folie auf innere Wüstenlandschaften.
Otto Paul Burckhardt in Nachtkritik, 8.12.2008
Technische Daten:
Uraufführung 5.12.2008, Landestheater Tübingen
Regie Thomas Krupa
Personenzahl 4 Damen, 4 Herren
Rechte Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG, Suhrkamp Theater & Medien
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