Neue deutsche Dramatik - Stücke

Das Prinzip Meese

Oliver Kluck gelingt in seinem Text, der „ein Stück ohne Stück“ ist, eine exemplarische Zustandsbeschreibung der fast dreißigjährigen Großstadtjugend Deutschlands. „Das Prinzip Meese“ ist das Finden der eigenen Verwirrung dieser Generation, die zwischen Privatfernsehen, schlecht bezahlten Hiwi- Jobs und einer Perspektive, die von Arbeitslosigkeit und Hartz IV bestimmt wird, nach dem Sinn der eigenen Existenz fragt.
Diese verzweifelte Suchbewegung schildert der Autor auch als seine eigene, wechselweise als arrogant, eitel, verbissen, aber auch als erbärmlich: (…)
Diese radikale Unversöhntheit mit der eigenen Unfähigkeit zu handeln, kennzeichnet den Text in seiner bösen Komik und wütenden Verzweiflung.
(Maxim Gorki Theater, Berlin)

Stimmen zum Stück:

„Das Prinzip Meese“ ist ein Stück ohne Stück, es hat keine Handlung, es hat keine Personen, die Form ist offen. Nein, so offen ist die Form vielleicht doch nicht, da gibt es erzählerische Fragmente eines "Ichs", und dieses Ich hat entweder sehr sehr schlechte oder manisch gute Laune, vermutlich ist die Laune aber eher schlecht, auch wenn das Ich das bestreiten würde: Auf jeden Fall brodelt es im Kopf. (…)
Und Meese, der Titelheld? Meese wird erwähnt, aber er kommt nicht vor.
Ein Text, beim besten Willen nicht zusammenfassbar, schnell, wütend, witzig, verzweifelt.
(Roland Schimmelpfennig, Begründung der Jury des Stückemarkts beim Berliner Theatertreffen 2009)


Ganz dem Zeitgeist gehorchend findet er (Oliver Kluck, Anm. der Red.) ein einziges großes richtungsfreies Zugleich. Er lässt dabei ein Ich auftreten, das befreit von Rollen- und Dialogrede, die Schnipsel seiner Identität zusammenkehrt. Das Fernsehen, die Kurzarbeit, das Perspektiv- und Utopielose, das Unverbindliche und Dahergeredete, die Agonie bei gleichzeitiger Ich-Betriebsamkeit – alles das soll das Spiegelbild einer Verwirrung sein, die Klucks Generation eigen ist.

„Das Prinzip Meese“ hat keine Szenen, keine Figuren, es ist aber auch keine „Textfläche“, es ist ein 56-seitiger Monolog, der lose Sinn-Module hinwürfelt. Es ist zugleich ein Stück Schattenboxerei, vorgetragen im Gestus des Alles-Sagens.
(Dirk Pilz, in Nachtkritik, 8.02.2010)


„Das Prinzip Meese“ ist eine furiose Szenenfolge, die nicht mit gewagten Assoziationsketten, intertextuellen Verweisen und Bezügen auf populärkulturelle Phänomene geizt. Das führt zum überraschenden Erkenntnisgewinn durch das (Ver-)Lachen von Obrigkeitsglauben, von hierarchischen Kontrollsystemen und bürgerlicher Publikumserwartung.
Vor allem aber schälen sich schnell Figuren und thematische Schwerpunkte heraus. Um den angemessenen künstlerischen Ausdruck geht es, um eine Haltung überhaupt gegenüber einer Welt, die sich allzu schnell in Generationskonflikten organisiert.
(Verlag Autorenagentur)

Technische Daten:

Uraufführung 8.02.2010, Maxim Gorki Theater, Berlin (Gorki Studio)
Regie Antú Romero Nunes
Personenzahl variabel
Rechte Verlag Autorenagentur
Übersetzungen Theaterbibliothek