Neue deutsche Dramatik - Stücke

Bleib mein schlagendes Herz

Das muss die zweite Phase der Adoleszenz sein, die die insgesamt neun Protagonisten - alle zwischen zwanzig und dreißig - in „Bleib mein schlagendes Herz“ durchleben. Teenager sind sie seit einiger Zeit nicht mehr, trotzdem wirken sie noch orientierungslos und oft erstaunlich mutlos und resigniert. Wer ist man? Mit wem? Alleine, zusammen? Und wohin gehen, wenn einem die westliche Welt oder das Elternhaus vermeintlich alle Möglichkeiten geben.

Einigen Protagonisten allerdings stehen bereits nicht mehr alle Türen himmelweit offen. Lucy hat Krebs und noch tausend andere Krankheiten, zudem ist sie an eine Sauerstoffflasche gefesselt, die ihre Bewegungsfreiheit einschränkt.
Danka muss heiraten, das allerdings weniger aus romantischen, sondern aus pragmatischen Gründen: Sie braucht eine Aufenthaltsgenehmigung. Eine grübelnde, um sich selbst kreisende, hochsensible Generation, der die Naivität früherer Generationen abhanden gekommen ist.
Also geht es natürlich um Liebe, ums Überleben, darum, dass das Leben nun endlich mal anfangen müsste, schließlich könnte es ja gut und gerne noch 50 Jahre dauern. Man schlägt sich durch, als Telefonistin, als Modell, als Prostituierte, pragmatisch, oft ohne die große Utopie. Die Sehnsucht – und sei es nur die, nicht mehr alleine zu sein – bleibt. Also versucht man sich in der Entzifferung des Gegenübers, übersensible Jungs, vermeintlich harte Mädchen, die gerne angreifen, um zu verteidigen. Menschen verstehen, um sich selbst zu verstehen.
Eine Welt der großen Möglichkeiten ist gleichmals eine Welt der ewigen Adoleszenz. Was also machen mit dem Leben, mit dem Rest des Lebens, wenn es immer noch nicht so recht angefangen hat? Wenn die Suche nach dem eigenen Ich einen überfordert, kann man erstmal nach einem anderen Ich, nach einem Gegenüber suchen – die Hoffnung, dass dies vielleicht schon reicht, stirbt zuletzt...
(Verlag schaefersphilippen)

Stimmen zum Stück

Sie steht für eher leise Töne und liefert mit Stücken wie „Birds“ Schlaglichter aus dem Leben heutiger Wohlstandsmenschen, die nicht so genau wissen, wen sie nun mehr verachten: Sich selbst oder ihre Eltern. Bekannt wurde Juliane Kann, als beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens ihr Stück „Blutige Heimat“ vorgestellt wurde.

Auch in ihren neueren Theatertexten geht es um Figuren, die wie hingehaucht wirken. Das gilt auch für Julischka, Tilmann, Lucy, Larissa und all die die anderen, die in "Bleib mein schlagendes Herz" wie Backpflaumen im Brutofen schmoren. Sich endlich mal selbst spüren, wäre ein Erlebnis für diese umtriebigen aber doch einsamen Menschen, die Regisseuren die Kunst des Zwischen-den Zeilen-Lesens abfordern.
( Jürgen Berger)


Stets gelingt es ihr, dichte, eigenartige Atmosphären zu kreieren und auch mit scheinbar oberflächlichen Wortwechseln mehrdimensionale Figuren zu zeichnen. Sie mögen wenig von sich preisgeben, aber man zweifelt nicht daran, dass hinter der Fassade mehr steckt, und dieses „Mehr“ will im Kopf des Zuschauers erfunden werden.
(Christiane Kühl in Stückwerk 5, Theater der Zeit)

Technische Daten

Uraufführung 13.03.2010, Schauspiel Frankfurt
Regie Daniela Löffner
Personenzahl variabel
Rechte Verlag schaefersphilippen
Übersetzungen Theaterbibliothek