Neue deutsche Dramatik - Stücke

Gespräche mit Astronauten

„Sie sind billiger als Billiglohnkräfte und haben keinerlei Rechte. Sie heißen Olanka, Anjuschka, Olga, Irina und kommen aus Ländern an der Grenze Mitropas. Ländern, die ihnen keine Perspektive bieten, Ländern wie der Schlamparei, Mogelei, Stohlen, Rostland oder Ukulele. Das Land ihrer Träume ist das Land der Skispringer und heißt Knautschland. Dorthin kommen sie in der Hoffnung auf ein besseres, schöneres, aufregendes Leben. Sie sind die Dienstmägde der Globalisierung und nennen sich „Au Pair“. „Au Pair“ bedeutet „auf Gegenseitigkeit“. Was das heißt, diktieren allerdings die anderen. Gegen Kost und Logis erhalten die jungen Frauen eine Lektion nach der anderen im Ökospießertum der ehemals Linksbewegten. Felicia Zeller stapelt, was da an unterschiedlichen Lebenshaltungen und Bedürfnissen aufeinander prallt, zu einem kakofonen babelschen Turm. Dabei liegt die ihr eigene Sprachkomik nicht in der Übertreibung, sondern im akribischen Notieren der Kommunikationsspiralen und Alltagslitaneien des Ewiggleichen: Die Ausflüchte genervter Au Pairs werden überflutet von den Wortkaskaden gestresster Powerfrauen, unterbrochen von dem Geschrei tyrannischer Kinder ... Einzig die Väter sind in diesem virtuosen Zellerschen Wortschwall nicht hörbar, schweben im All oder kommen gegen halb zehn oder heute vielleicht später oder gar nicht mehr.“
(Verlag henschel SCHAUSPIEL)

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Stimmern zum Stück

„Mit bitterbösem Blick und sprachwitzigem Furor legt Felicia Zeller in ihrem Stück die Mechanismen und heimlichen Rassismen unserer heiß laufenden westlichen Arbeitswelt bloß. Wie schon bei „Kaspar Häuser Meer“, ihrer erfolgreichen Groteske über drei heillos überlastete Sozialarbeiterinnen, hat die Autorin auch für „Gespräche mit Astronauten“ bestens recherchiert, hat Interviews mit Gastmüttern und Au-Pairs geführt und dann das Material durch ihren bewährten Satzteilchenbeschleuniger (Modell: Jelinek) gejagt. Herausgekommen ist eine irrwitzige Sprechoperette an der Grenze zur Hysterie, eine klangvoll rhythmisierte Wortkaskadenkomödie voll mit Reimen, Phrasen, Kalauern, Versprechern – turboschnell und grell wie ein Diskurstanz von René Pollesch und immer hart am Rande des Nervenzusammenbruchs, (…).“
(Christine Dössel, Programmbuch der Mülheimer Theatertage 2011)


„Was Zeller aufgeschrieben hat, ist sehr lustig und sehr entlarvend. Vier Familien sind es bei ihr, Personen und Worte fließen ununterscheidbar chorisch dahin, in kleine Kapitel unterteilt (…). Zeller schüttet wahre Sprachkaskaden aus, als wollte sie Elfriede Jelinek den Rang als sprachmächtigste Chorführerin deutscher Zunge streitig machen, sie persifliert, kalauert, ironisiert, sie reimt und alliteriert, da wird geschimpft, gebangt und verzweifelt. Sie hat genau zugehört, deswegen wirkt ihr sprachlich so hochgedrehtes Stück selbstverständlich der Gegenwart abgelauscht. Selten gibt es sprachlich so interessante Texte wie die von Felicia Zeller im Theater (….). Die Texte schwanken zwischen Entlarvung und Klischee, sie liegen deshalb immer hart an der Grenze zu Parodie und Satire, (…).“
(Peter Michalzik, Frankfurter Rundschau, 26.09.2010)


Technische Daten

Uraufführung 24.09.2010, Nationaltheater Mannheim
Regie Burkhard C. Kosminski
Personenzahl -
Rechte henschel SCHAUSPIEL
Übersetzungen Theaterbibliothek