Neue deutsche Dramatik - Stücke

Das Ding

„Mit ‚Das Ding' tritt Philipp Löhle den unumstößlichen Beweis an: Es gibt keinen Zufall mehr. Durch weltumspannende Interdependenzen – genannt Globalisierung – ist alles mit allem verknüpft. Wenn sich der Afrikaner Siwa nachhaltige Methoden des Baumwollanbaus aufschwatzen lässt, verhilft das zwei jungen Chinesen zu ihrem ersten Start-up-Erfolg. Wenn deren Handel mit Sojabohnen ins Stocken gerät, wirkt sich das auf die rumänische Schweinezucht aus, was wiederum direkte Folgen für die Ehe von Katrin und Thomas hat. Als sich Katrin mit exhibitionistischen Eskapaden ins WWW wagt, beschwört sie neben einer handfesten Beziehungkrise auch einen überraschend internationalen Showdown herauf, an dem nicht nur der chinesische Start-up-Unternehmer Teil hat. Und das titelgebende Ding – eine Baumwollfaser – reist derweil einmal um den Erdball und schaut verwundert auf das Treiben der Menschen.

In einer Welt, in der alles mit allem zusammenhängt und alle Geschehnisse potentiell erklärbar sind, werden die Figuren umso mehr von ihrer Sehnsucht nach dem Unerklärlichen, dem magischen Moment, der großen Liebe und vielleicht sogar nach dem Gefühl von Heimat getrieben – und verstricken sich dabei hoffnungslos in das globale Netz kausaler Zusammenhänge.“
(Rowohlt Theaterverlag)


„Philipp Löhle – seit seinem ersten Erfolg ‚Genannt: Gospodin' so etwas wie der Wirtschaftsfachmann unter den deutschen Jungdramatikern – hat mit ‚Das Ding' eine charmante, originelle, überwältigend witzige Komödie geschrieben. Als wäre der Geist Billy Wilders in ihn gefahren, aber nicht ohne sich mit der Spielästhetik des Gegenwartstheaters zu beschäftigen. Jede Rolle klassisch mit einem Darsteller zu besetzen, wäre in diesem Stück völlig deplatziert. Es geht nicht darum, dass jemand psychologisch glaubwürdig einen Sojabauern, einen Schweizer Waffenhändler oder chinesische Start-Up-Unternehmer verkörpert. Sondern um die Strukturen der Weltordnung.“
(Stefan Keim in: Frankfurter Rundschau, 20.05.2011)


„Auf höchst komische und rasante Weise beschreibt Philipp Löhle in seinem aktuellen Stück die Mechanismen unserer globalisierten, technisierten und flüchtigen Welt. Er überträgt die scheinbar unendliche globale Vernetzung des Welthandels auf die Menschheit und auf seine Figuren und steigert sie bis ins Groteske. Ohne es zu beabsichtigen, ändern so die Figuren des Stücks durch kleinste Bewegungen die Welt und bringen dadurch nicht nur ihr eigenes Leben in Turbulenzen.“
(Deutsches Theater, Berlin)


Technische Daten:
Uraufführung 14.05.2011, Deutsches Schauspielhaus Hamburg in Kooperation mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen
Regie Jan Philipp Gloger
Personenzahl 1 Dame, 4 Herren
Rechte Rowohlt Theaterverlag
Übersetzungen Theaterbibliothek