Neue deutsche Dramatik - Stücke

Die Firma dankt

Die Firma hat ein neues Leitungsteam bekommen, das seine Strategie für die Zukunft des Unternehmens bisher noch nicht bekannt gegeben hat. Nur der Mittvierziger Adam Krusenstern, Leiter der Entwicklungsabteilung, ist zu einem Wochenende im Gästehaus der Firma eingeladen worden, wo er möglicherweise auch Mitglieder des neuen Vorstands kennenlernen soll. Krusenstern ist nervös, ihm ist nicht klar, was ihn auf dem mondänen Landsitz erwartet. Mayumi, die junge und attraktive Assistentin der neuen Geschäftsleitung, verstört ihn mit ihrer freundlich umsorgenden Art, sodass ihm die Konversation mit ihr unglücklicherweise zwischen Flirt und Onkelhaftigkeit entgleitet. Die Begegnungen mit dem neuen Personalchef Hansen und Ella Goldmann, die sich als Coach und Vertreterin eines Assessmentcenters vorstellt, verlaufen auch nicht besser. Smalltalk ist nicht seine Stärke, Krusensterns beiläufige Bemerkungen scheinen die anderen zu irritieren, und keiner kann oder will ihm verraten, was wirklich der Grund für dieses Wochenende auf dem Land ist. Das betont lässige und unkonventionelle Auftreten des Praktikanten Sandor reizt Krusenstern, der auf gute Umgangsformen im Job großen Wert legt, zusätzlich. Als man beschließt, nach einer Mußestunde in der Sauna und einer Entspannungsrunde auf dem Golfplatz am Abend gemeinsam eine Party zu feiern, ist Krusenstern endgültig verwirrt. Will denn hier niemand arbeiten? Was geschieht mit den anderen Kollegen aus dem mittleren Management? Verspielt Krusenstern gerade seinen Job durch mangelnde Flexibilität und überangepasstes Verhalten? Und wer unter den Anwesenden ist wirklich sein Gegner?
(Verlag Hartmann und Stauffacher)
Stimmen zum Stück:
"Hübners Stärke sind treffsichere, pointierte Sätze mit entlarvenden Zwischentönen. (..) Die neue Ökonomie ist ein unseriöses Lustschloss, das zeigt Hübner dabei hinreichend deutlich. Mit unseren guten alten Arbeitswelten hat das nichts mehr zu tun. Trotzdem ist Hübners Drama deutlich subtiler und präziser als solche Schwarz-Weiss-Malerei, inder man die Arbeitswelt gerne sieht. (…) Hübner vergibt keine Zensuren und er liefert auch keine Klischees. Er spitzt sehr direkt zu, er deckt auf, wo tatsächlich der Konflikt, die Angst und der Hass lauern. Er ist böse genug, um dabei treffgenau zu sein, und professionell genug, um das so in eine Geschichte zu packen, dass man sich amüsiert. Das ist, sagen wir es einfach, gut gemacht. Außerdem verfolgt Hübner eine geschickte Eskalationsdramaturgie. Er zeichnet nicht nur sehr genau, er überzeichnet auch, zieht die Schraube eine Drehung weiter, er steigert den Konflikt ins Groteske, bis dahin wo der Irrsinn der Wirklichkeit aufblüht.

So ist Hübner der Vorreiter einer neuen, konkreten und gesellschaftsbezogenen Dramatik geworden.
(Peter Michalzik, Programmbuch der Mülheimer Theatertage 2011)
Technische Daten:
Uraufführung 27.01.2011, Staatsschauspiel Dresden
Regie Susanne Lietzow
Personenzahl -
Rechte Verlag Hartmann und Stauffacher
Übersetzungen Theaterbibliothek