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4.04.2009: „After the Fall“: Premiere in Sarajevo

München, den 4. April 2009 − Der bosnische Dramatiker Almir Imširević stellt am 25. April 2009 sein Stück „Mousefuckers“ im Kriegstheater Sarajevo vor. Es ist die fünfte Uraufführung im Rahmen von „After the Fall“, dem europa-weiten Theaterprojekt des Goethe-Instituts: 17 Dramatiker aus 15 europäischen Ländern setzen sich in neu entstehenden Stücken mit den Auswirkungen des Mauerfalls auf ihre Heimat auseinander.

An einem 9. November in Genf. Gegenwart. Das bosnische Migrantenpärchen Enki und Ajsa lebt in bescheidenen Verhältnissen zurückgezogen in dem schönen friedlichen Genf. Ajsa hat Geburtstag, auf der Straße hat sie das serbischen Pärchen Gile und Tamara kennen gelernt und spontan zu sich eingeladen. Endlich wieder einmal Gäste aus der „Heimat“, endlich wieder einmal jemand, der die vertraute, heimatliche Sprache spricht, endlich ähnliche Schicksale (alle Beteiligten haben zu Beginn des Krieges oder im Krieg die Heimat verlassen), endlich ein wenig unterhaltsame Abwechslung. Aber diese gemeinsame „Heimat“, die die gemeinsame Sprache noch vorzugeben scheint, gibt es inzwischen nicht mehr.

Almir Imširević zeigt in seinem Stück „Mousefuckers“ das Aufeinandertreffen von heimatlosen Ex-Jugoslawen im Exil des 21. Jahrhunderts. Es sind verletzte, kranke, identitätslose Menschen. Sie versuchen sich entweder mit Drogen zu betäuben oder verstricken sich in den Schleifen der Vergangenheit. Mit Aufgabe der großen nationalen, jugoslawischen Utopie nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Zersplitterung der Nation in rivalisierende Einzelstaaten verloren viele Menschen den Lebenssinn..

Das Stück wird am 25. April im Kriegstheater Sarajevo uraufgeführt, einem Theater mit einer besonderen Geschichte: Die Regisseure Dobravko Bibanović und Gradimir Gojer, der Ingenieur Đorđe Mačkić und der Schriftsteller Safet Plakal gründeten die Theatertruppe 1992 – mitten in der Belagerung Sarajevos. Schauspieler und Mitarbeiter der drei professionellen Sarajevoer Theater, die wegen des Krieges geschlossen wurden, versammelten sich und das „Kriegstheater“ spielte weiter – in Kellerräumen, Krankenhäusern, Kinderheimen, Sportanlagen oder Bunkern. Heute hat das Haus Gastspiele in vielen Ländern Europas und wurde für seine Inszenierungen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Noch 12 weitere Stücke werden für das Theaterprojekt „After the Fall“ europaweit uraufgeführt, als Höhepunkt laden das Theaterbüro Mülheim an der Ruhr und das Staatsschauspiel Dresden im November 2009 eine Auswahl der Produktionen zu Gastspielen nach Deutschland ein. Begleitend dazu findet eine Gesprächsreihe statt, veranstaltet von der Bundeszentrale für politische Bildung.

„After the Fall“ ist ein europaweites Theaterprojekt des Goethe-Instituts in Zusammenarbeit mit dem Staatsschauspiel Dresden, dem Theaterbüro Mülheim an der Ruhr und der Bundeszentrale für politische Bildung. Mit freundlicher Unterstützung des Auswärtigen Amts.

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