Zum Schreibprozess


Ich habe Theaterstücke schon immer eher als Katalysator denn als Endprodukt begriffen. Mit dem Stückeschreiben begann ich erst, als mich die Gruppen, die ich in angewandtem Drama unterrichtete, fragten, ob sie ein „richtiges Stück“ einstudieren könnten. Die Stücke legte ich so an, dass sie die Hoffnungen, Ängste und Anliegen dieser Gruppen aufnahmen. Ich stellte sie vor Herausforderungen und ließ ihnen dennoch Wahlmöglichkeiten.
Eines dieser Stücke, The Big Heart, kam ins Finale des Contact Theatre Stückewettbewerbs in Manchester und von da an wollten alle Gruppen oder Schulklassen, mit denen ich arbeitete, dass ich ein Stück für sie schreibe.
Ich denke, dass junge Menschen oft von einem Gefühl der Ohnmacht überwältigt werden. Es erscheint ihnen als eine zu große Aufgabe, die Dinge verändern zu können. Dieses Gefühl wird noch verstärkt durch die Wahrnehmung einer immer umfassenderen Globalisierung und dem Verlust des lokalen Zusammenhalts. Aber ich glaube, wenn man ihnen zeigt, dass sie die Kontrolle über scheinbar kleine Momente oder Ereignisse übernehmen und diese auch verändern können, dann erwächst in ihnen auch das Bewusstsein, ihr Leben in den Griff bekommen zu können. Wenn nicht, können sie sich nur noch darauf freuen, Teil der Sündenbock-Kultur zu werden, einer Kultur, die Außenseitern schnell die Schuld zuschiebt.
Im Stück Not Yet nehme ich das Jubiläum des Falls der Berliner Mauer als Anlass, die Gegenwart zu beleuchten und die Möglichkeit des kulturellen Wandels zu erforschen. Mit der Erweiterung der Europäischen Union müssen wir maximale kulturelle Flexibilität beweisen, gleichzeitig schüren die Berichte der Massenmedien häufig Ängste und Unsicherheiten. Wenn es dem Stück Not Yet gelingt, diese negativen Vorurteile der jungen Leute nur ein wenig zu erschüttern, dann ist das alles, was ein Stückeschreiber sich erhoffen kann.







