Omflickorkundedöda

Omflickorkundedöda
(WennMädchentötenkönnten)
von Åsa Lindholm

„Es ist schwierig aus einem Land wie Schweden zu kommen, man muss hier nie richtig Angst haben. Man ist vielleicht so ein bisschen wohlfahrts-ängstlich, aber nicht im Sinne von ich-muss-verhungern-ängstlich. Und wenn man an diesem gefährlichen Ort ist, dann fährt man heim nach Schweden und das Böse ist weg.“

Es gab einmal Bullerbü-Kinder, Trolle, Waldwesen und Seejungfrauen. Jetzt gibt es Dr. Phil, Teletubbies und verschleierte Frauen. Alles existiert gleichzeitig, niemand weiß was echt ist. Die Wirklichkeit wurde Fiktion, ein Kampf zwischen Gut und Böse, ein Bestseller-Roman. Es gibt keine Ideologie mit der man sich trösten könnte, das Individuum muss sein Bestes tun um sich gegen die anderen Individuen zu behaupten. Nur der Stärkste überlebt.

Wir sagen, wir leben in einem Land von Sicherheits-Junkies, dass wir wohlfahrts-betäubt sind. Krieg, Armut und Unterdrückung, in Schweden ist das lange her. Wir sehen alles auf Abstand, mit einer Rührungsträne im Auge verfolgten wir die Nachrichtensendungen im Fernsehen als die Berliner Mauer fiel. All das Große und Umwälzende, das passiert anderswo – so haben wir das in Schweden gelernt. Aber eigentlich gibt es hier doch alles, in den Menschen die nicht mehr so aussehen wie vor 100 Jahren. Tolerante Nordlichter haben ihre Grenzen zur Welt geöffnet und die Sorgen der Welt sind zu den unseren geworden - ohne, dass wir so recht begriffen hätten, wie es dazu gekommen ist. Das Dick-Mädchen, Tam und Mary Lou sind Freunde seit ihrer Kindheit. Sie nannten sich „eine Weiße, eine Gelbe, eine Schwarze“ und erlebten eine schwedische Bullerbü-Kindheit, die mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie sie existierte, an einem schönen Vorsommertag auch vorbei war. Nun sind sie erwachsen und das Dick-Mädchen hat einen Bestseller über die Vergangenheit geschrieben, doch niemand außer ihr versteht, dass die Geschichte wahr ist. Aus diesem Grund will sie sterben. Deshalb ist auch der fremde Mann im Park, der sie verfolgt und ihr nachschreit, sie sei ein Fettsack und solle abnehmen und ihr Leben in den Griff bekommen, das Einzige was sie am Leben hält.

Tam hat ein Kind namens Svante, doch manchmal glaubt sie, dass er vielleicht nur eine Art leerer Raum ist, ein Angstkind das sie jeden Tag vor die Teletubbies setzt bis es Zeit wird zu Dr. Phil zu zappen. Der Arzt kann ihre Tränen nicht aufhalten und die Waldwesen beginnen menschliche Gestalt anzunehmen.

„Waldhexe“ wird Mary Lou wird von ihrer Freundin Bibbi genannt. Sie ist nicht so unschuldig, wie sie wirkt. Mary Lou ist wie ein leeres Blatt Papier. Sie hat ihren namibischen Vater nie kennengelernt. Sie weiß nicht, was von ihr erwartet wird, deswegen will sie es allen recht machen. Eigentlich hat sie noch nie eine Wahl getroffen, die Dinge haben sie gewählt. Als dann also Tams Internetdate Nicola sie erwählt, weiß sie einfach nicht, wie man „nein“ sagt. Die drei Frauen bewegen sich auf die Wahrheit zu, die sie zwar alle kennen, die zu sehen sie jedoch nie den Mut hatten. In dem Moment, in dem sich das Land und die Luft die sie atmen verändern und zu ihnen sprechen, können sie wieder zu sich finden. Und mittendrin ist Bibbi, die manch einer als „lesbische Männerhasserin“ bezeichnen würde, deren - gelinde gesagt - gewaltige Lebenskrise eine Reihe von Ereignissen in Gang setzt, die niemand stoppen kann. Dies ist eine schreckliche und traurige Komödie darüber, was es bedeutet als junge Frau in dem Land zu leben, das den höchsten Rang in der Gleichberechtigung einnimmt. Wir haben alles, und wir wählen und wählen und wählen, und trotzdem wählten wir das Falsche.