Antonia Baehr

'Rire/Laugh/Lachen' Foto: Marc Domage
'Rire/Laugh/Lachen' Foto: Marc Domage
"Rire/Laugh/Lachen" Foto: Marc Domage


Antonia Baehr ist Choreografin und Interpretin. Ihre interdisziplinären Arbeiten zeichnen sich durch eine nicht-disziplinäre Arbeitsweise aus. Sie arbeitet mit verschiedenen PartnerInnen, häufig in Form eines Rollenspiels, zusammen: JedeR ist von Probe zu Probe abwechselnd InterpretIn/ Gast oder AutorIn/ GastgeberIn. 1994 gründet sie die Berliner Performancegruppe „ex machinis“. 1996 diplomierte sie im Bereich Film- und Medienkunst an der Hochschule der Künste, Berlin, bei Valie Export und erhielt ein DAAD- und ein Merit Scholarship Stipendium für die School of The Art Institute of Chicago, USA. Dort absolvierte sie ihren Master in Performance-Regie bei Lin Hixson.

Seit 2000 lebt und arbeitet sie wieder in Berlin. Für die Jahre 2006 bis 2008 ist Antonia Baehr artiste associée der Laboratoires d'Aubervilliers, Frankreich. In 2008 erscheint ihr Buch "Rire / Laugh / Lachen". Sie arbeitet u. a. mit Lindy Annis, Gaetan Bulourde, Valérie Castan, Antonija Livingstone, Eszter Salamon, Tamar Shelef und William Wheeler. Antonia Baehr ist zudem Produzentin des Pferdeflüsterers und Tänzers Werner Hirsch, des Musikers und Choreografen Henri Fleur sowie des Komponisten Henry Wilt.

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Antonia Baehr: Porträt

Alles ist geregelt. Deshalb steht nichts fest. Spielanleitungen und Partituren liegen den choreografischen Performances von Antonia Baehr verdeckt oder offen zu Grunde. Eingeschnürt in befreiende Korsetts aus Instruktionen können Körper hier ihre Stärke zeigen: das Unvermögen, etwas "richtig" zu machen. Dabei tun diese Interpretationsvirtuosen alles, um in ihrer Aufgabe aufzugehen. Sie haben konzertant akute Lachkrämpfe vom Blatt. Oder hecheln der Anleitung zum "Mann-selbst-sein" mit hündischer Unterwürfigkeit nach wie dem von Frauchen geworfenen Stöckchen – das aber so originell, dass die Frage nach dem Original uns wie ein verzichtbarer Schluckauf im Hals stecken bleibt. Ich ist nie nur eine Andere.

Versunken in den systematischen Unsinn ihrer Beschäftigungen, würden Baehrs SpielerInnen fast das Repräsentieren vergessen. Wenn das im Theater möglich wäre. So reiben sie sich wollüstig an der vierten Wand des Voyeurismus’ und kostümieren sich nur so zum Spaß in unsere Fiktion "Normalität". Dann sieht man Antonia Baehr, die im Leben und im Theater stets mehrere Egos zum Wechseln mitführt (wie den Performer Werner Hirsch oder den Musiker Henri Fleur), ihren alltäglichen Herrenanzug mit einer Jeans vertauschen. Hier wie dort erschließt sie mit ihren ganz im Sinne Judith Butlers performativen Auftritten Identität als die Arbeit, sich immer wieder selbst hervorzubringen, Befreiung als die Aneignung bestehender Machtstrukturen und das Spektakel als züchtig-unzüchtige Aufforderung an den Zuschauer, endlich auch mit sich selbst herumzuspielen.
Constanze Klementz

Antonia Baehr: Produktionen

For Faces (2010)
4 Darsteller

Over the shoulder (2009)
2 Darsteller, 24 min

Rire/Laugh/Lachen (2008)
Solo, 50 / 70 min

Nom d’une pipe (2007)
2 Darsteller, 30 min

Danke (2006)
Solo, 60 min

Larry Peacock (2005)
3 Darsteller, 60 min

Un après-midi (2003)
4 Darsteller, 35 min

Holding Hands (2001)
2 Darsteller, 35 min