Helena Waldmann

Burka Bondage © Sebastian Bolesch
Burka Bondage © Sebastian Bolesch


Helena Waldmann, Regisseurin und Choreografin, lebt in Berlin. Sie studierte Angewandte Theaterwissenschaft an der Universität Gießen, lernte ihr Handwerk u. a. bei Heiner Müller, George Tabori und Gerhard Bohner.

Zwischen 1993 bis 1999 verdrehte sie Bühnenperspektiven, mauerte die Vierte Wand zu, inszenierte das Theater wie einen Film und feierte mit diesen radikalen Stücken internationale Erfolge. 2003 erhielt sie den UNESCO-Preis für ihre brasilianische Produktion "Headhunters".
Lehraufträge, Workshops und zahlreiche Inszenierungsaufträge brachten sie in die Schweiz, nach Griechenland, China, Brasilien, Iran, Palästina, Indien, Afghanistan und Japan.

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Helena Waldmann: Porträt

Bilderstürmerei ist ihre Sache nicht. Dabei sind Helena Waldmanns Arbeiten regelmäßig dazu angetan, unser Selbstbild wie unsere Wahrnehmung fremder Kulturen zu durchkreuzen. Doch die Berliner Regisseurin und Choreografin nähert sich ihren Stoffen gleichsam mit dem Blick der Anthropologin, die scheinbar Vertrautes und Alltägliches so lange beobachtet, bis sich alle Gewissheiten verfremden und in dichte (Tanz-) Beschreibungen verwandeln. Statt mit Wucht zu provozieren, geht Waldmann jeweils mit feinen Nadelstichen vor: Die Textur ihrer Werke ist ebenso präzise wie effektvoll geschnitten, und ihre Zumutung an den Zuschauer liegt eben nicht im ästhetischen Skandal, sondern in der Summe ausdrucksstarker und dennoch wohl dosierter Bilder.

Dass Tanz eine Frage der Haltung, auch der politischen Haltung – im Sinne der Infragestellung eigener Positionen – ist, darauf weist jede Produktion aus Waldmanns weltweit vernetzter Werkstatt hin. So spinnt „BurkaBondage“ den Faden der umjubelten „Letters from Tentland“ (2005) und des Sequels „Return to Sender“ (2006) fort, freilich unter radikal verengten Vorzeichen. Das Geschehen konzentriert sich auf zwei Tänzerinnen, die – unter den Etiketten von "Burka" und "Bondage", also islamischer Totalverschleierung und japanischer Fesselungsrituale – um die Innen- und Außenwirkung kultureller Zuschreibungen ringen. Waldmann verflüssigt die binäre Logik der Gegenwart, indem sie West und Ost, Macht und Ohnmacht, Schmerz und Lust auf einen gemeinsamen Äquator zutreibt: den menschlichen Körper.
Dorion Weickmann

Helena Waldmann: Produktionen

GlückStück
2011, Radialsystem, Berlin
revolver besorgen
2010, Dance 2010, München
BurkaBondage (2009)
4 Darsteller, Bühne 10 x 12 m, 60 min

Forget it! (2010)
Premiere Oktober 2010