Barbara Frey


© Sebastian Hoppe
Geboren am 29.4.1963 in Basel. Studierte Germanistik und Philosophie an der Universität Zürich. War schon in dieser Zeit als Schlagzeugerin und Songschreiberin tätig. Ab 1988 Regieassistentin, Musikerin und Schauspielerin am Theater Basel.

Von 1992 an inszenierte sie in Basel, am Nationaltheater Mannheim, am Theater Neumarkt Zürich und am Schauspielhaus Hamburg, arbeitete aber auch kontinuierlich mit freien Gruppen und entwickelte Theaterprojekte. Mit Beginn der Spielzeit 1999/2000 wurde sie für zwei Jahre Hausregisseurin an der Schaubühne Berlin.

Seit 2002 inszeniert sie vorwiegend am Theater Basel und am Bayerischen Staatsschauspiel München. Lehrtätigkeit u.a. an der Berliner Universität der Künste.

In der Spielzeit 2006/2007 war Barbara Frey feste Regisseurin am Deutschen Theater Berlin und inszenierte weiter am Züricher Schauspielhaus, wo sie in der Spielzeit 2009/2010 als Intendantin startete, starke Regiecharaktere verpflichtete und die Tanzcompagnie von Sasha Waltz nach Zürich holte.

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Porträt: Barbara Frey

Barbara Freys Anfänge als Regisseurin waren geprägt durch die Suche im Grenzbereich von Theater und Musik. Als Mitglied von Frank Baumbauers Team während dessen Basler Intendanz war sie offiziell Theatermusikerin, entwickelte aber auch ihre Form eines Projekttheaters. Dabei verstand sie sich insofern als Regieautorin, als sie aus thematisch gebundenen Materialsammlungen Stücke entwickelte.

Eines ihrer größten stellte sie 1997 am Mannheimer Nationaltheater mit „Das Geheimnis des Lebens – ein Mörderinnenseminar“ vor. Ausgangspunkt der szenischen Studie über mordende Frauen waren die französischen Schwestern Papin, die in den dreißiger Jahren wie Racheengel über ihre Herrin und deren Tochter herfielen. Geglückt war die Mörderinnenexegese insofern, als Barbara Frey die gängigen Vorstellungen abgründiger Mordlüsternheit konterkarierte, den Abend in einer Bibliothek ansiedelte und aus den Papin-Schwestern schillernde Bibliothekarinnen machte.

Während dieser Projekt-Erkundungen fuhr Barbara Frey mehrgleisig und entwickelte ihren Stil als Regisseurin. 1999 gelang ihr mit der Umsetzung von Bernard-Marie Koltès´ „Roberto Zucco“ am Theater Basel eine bemerkenswerte Inszenierung. Zum einen offenbarte sie einmal mehr, wie sehr sie am Sujet des unerklärlich Bösen interessiert ist. Sie zeigte den Killer, ohne die Klischees einer Monströsität zu bedienen. Roberto Zucco erhielt dadurch Kontur, dass andere Figuren des Stückes auf ihn reagierten.

Zu Beginn der Spielzeit 1999/2000 wechselte Barbara Frey als feste Hausregisseurin an die Berliner Schaubühne ins Team um Thomas Ostermeier. In dieser Zeit inszenierte sie unter anderem Alfred Jarrys „König Ubu“ und die Uraufführung von Roland Schimmelpfennigs „Vor langer Zeit im Mai“. Anfang 2001 endete die Zusammenarbeit.

Seither arbeitet Barbara Frey bei Dieter Dorn am Bayerischen Staatsschauspiel München sowie am Theater Basel, wo sie 2003 mit der Uraufführung des Stücks „Die sexuellen Neurosen unserer Eltern“ von Lukas Bärfuss eine ihrer bislang besten Inszenierungen vorlegte. Im Mittelpunkt des Stückes steht die fünfzehnjährige Dora, die nicht ganz Herr ihrer Sinne ist, lange mit Medikamenten ruhig gestellt wurde und in einem Dämmerzustand lebte. Werden die Medikamente abgesetzt, entdeckt sie das Leben, die Männer und die Lust. Barbara Frey inszenierte das in einer künstlichen Sofalandschaft, pointiert und mit großem Gespür für atmosphärische Wechsel. Stück und Inszenierung wurden zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen.

Seit ihrem Weggang von der Berliner Schaubühne wendet sich Barbara Frey sehr entschieden den Klassikern zu und definiert ihre Regiearbeit neu. Das Ergebnis ist ein Inszenierungsstil, der den Text ergründet, ohne sich in Demut hinter ihn zurückzuziehen. Ende 2003 inszenierte sie in Basel Heinrich von Kleists „Amphitryon“, verlegte das Sprachkunstwerk über Identitätsverwirrungen am Hofe des thebanischen Königs in ein Strandambiente mit Stelzenbungalow und stellte albtraumartige Szenen neben abgründige Komik.

„Beschäftige ich mich mit den Klassikern, existiert für mich diese Diskussion um gestriges und heutiges Theater nicht“, sagt Barbara Frey. „Kleist zum Beispiel ist für mich eminent zeitgenössisch, weil er tiefgreifende Fragen nach Identität, Subjektivität und der Gebrechlichkeit der Welt stellt.“ Vor allem mit ihren jüngsten Inszenierungen machte Barbara Frey deutlich, dass sie eine interpretierende Regisseurin ist, die auch in den großen klassischen Stoffen nach heutigen Gehalten jenseits von Effekthascherei sucht - wie im Fall der „Geschichten aus dem Wienerwald“. Das Horvath-Stück brachte sie 2005 als Koproduktion der Salzburger Festspiele und des Bayerischen Staatsschauspiels auf die Bühne, indem sie Momente „einer paradiesisch-peinsamen Freiheit“ (Die Zeit) aufscheinen ließ.

Ab der Spielzeit 2006/2007 arbeitet Barbara Frey fest am Deutschen Theater Berlin und zeigt vor allem mit ihrer Inszenierung von Euripides' „Medea“, wie man einem Klassiker eine heutige Sichtweise abverlangt, ohne dessen tragische Wucht zu schmälern. Die Medea der Nina Hoss haust in einem Kabuff zwei Meter über dem Bühnenboden und wütet gegen ihr Schicksal. Gebaut wurde die Wohnhölle der fremden und archaischen Frau einmal mehr von der Bühnenbildnerin Bettina Meyer, mit der Barbara Frey seit ihren Regieanfängen zusammen arbeitet. Mit Nina Hoss ist die Regisseurin zwei Jahre später, ebenfalls am Deutschen Theater, in „Groß und Kleine“ der Lotte des Botho Strauss auf der Spur. Mit starken Frauenfiguren beschäftigt Barbara Frey sich immer wieder. Das gilt auch, wenn sie mit ihrer erste Intendanz am Züricher Schauspielhaus ab der Spielzeit 2009/2010 die größte Schweizer Sprechbühne leitet. Als Intendantin überrascht sie da mit einem ersten Spielplan, in dem so starke und unterschiedliche Regiecharaktere wie Stefan Bachmann und Frank Castorf vorkommen. Sie öffnet das Schauspielhaus aber auch in Richtung Tanz und bietet Sasha Waltz' Berliner Tanzcomoagnie ein Schweizer Standbein, während sie als Regisseurin den Auftakt ihrer ersten Züricher Spielzeit mit Schillers „Maria Stuart“ bestreitet und das Dilemma der englischen Königin Elisabeth akzentuiert, die als Machthaberin Entscheidungen fällen und Härte zeigen muss. Und sie platziert ihre erste Züricher Inszenierung in die große Halle der immer wieder von einer Schließung bedrohten Spielstätte „Schiffbau“.

Jürgen Berger

Inszenierungen - Eine Auswahl

  • Carlo Goldoni "Diener zweier Herren"
    2014, Schauspielhaus, Zürich
  • Richard Strauss "Elektra"
    2014, Semperoper, Dresden
  • Barbara Frey/Christine Besier nach Franz Kafka "Der Prozess"
    2013, Schauspielhaus, Zürich
  • Ferenc Molnár "Liliom"
    2013, Burgtheater, Wien
  • Molière "Der Menschenfeind"
    2013, Schauspielhaus, Zürich
  • William Shakespeare "Richard III."
    2012, Schauspielhaus, Zürich
  • Elfriede Jelinek/Oscar Wilde
    (Deutsche Fassung Elfriede Jelinek nach einer Übersetzung von Karin Rausch)
    "Der ideale Mann"

    2011, Burgtheater (Akademietheater), Wien
  • Georg Büchner "Leonce und Lena"
    2011, Schauspielhaus, Zürich
  • Anton Tschechow "Platonow"
    2011, Schauspielhaus, Zürich
  • Marieluise Fleißer "Fegefeuer in Ingolstadt"
    2010, Schauspielhaus, Zürich
  • Friedrich Schiller "Maria Stuart"
    2009, Schauspielhaus Zürich
  • Botho Strauß"Groß und Klein"
    2008, Deutsches Theater, Berlin
  • William Shakespeare "Der Sturm"
    2007, Deutsches Theater, Berlin
  • Heiner Müller "Quartett"
    2007, Salzburger Festspiele
  • Pierre Carlet de Marivaux "Triumph der Liebe"
    2007, Deutsches Theater, Berlin
  • Joseph Kesselring "Arsen und Spitzenhäubchen"
    2006, Burgtheater, Wien
  • Euripides "Medea"
    2006, Deutsches Theater, Berlin
  • Anton Tschechow "Der Kirschgarten"
    2006, Deutsches Theater, Berlin
  • Henrik Ibsen "John Gabriel Borkmann"
    2005, Schauspiel, Zürich
  • Ödön von Horvath "Geschichten aus dem Wienerwald"
    2005, Salzburger Festspiele
  • Gotthold Ephraim Lessing "Minna von Barnhelm"
    2005, Deutsches Theater Berlin
  • William Shakespeare „Wie es euch gefällt“
    2004, Theater Basel
  • Johann Strauß „Fledermaus“
    2004, Theater Basel
  • Racine „Phädra“
    2004, Bayerisches Staatschauspiel München
  • Heinrich von Kleist „Amphitryon“
    2003, Theater Basel
  • Lukas Bärfuss „Die sexuellen Neurosen unserer Eltern“
    UA 2003, Theater Basel
  • Anton Tschechow „Onkel Wanja“
    2003, Bayerisches Staatsschauspiel München, Einladung zum Berliner Theatertreffen
  • Yasmina Reza „Drei Mal Leben“
    2002, Theater Basel
  • Samuel Beckett „Endspiel“
    2002, Bayerisches Staatsschauspiel München
  • Conor McPherson „Port Authority“
    2001, Schaubühne Berlin
  • Ödön von Horváth „Die Unbekannte aus der Seine“
    2000, Schaubühne Berlin
  • Roland Schimmelpfennig „Vor langer Zeit im Mai“
    UA 1999, Schaubühne Berlin
  • Alfred Jarry „Ubu“
    1999, Schaubühne Berlin
  • Bernard-Marie Koltès „Roberto Zucco“
    1999, Theater Basel
  • Susanne Hinkelbein „Nachtbuch Zürich“
    UA 1998, Theater Neumarkt Zürich
  • Barbara Frey „Das Geheimnis des Lebens – ein Mörderinnenseminar“
    1997, Nationaltheater Mannheim
  • Vladimir Sorokin „Hochzeitsreise“
    1996, Nationaltheater Mannheim
  • Irmgard Keun „Das kunstseidene Mädchen“
    1995, Deutsches Schauspielhaus Hamburg
  • Barbara Frey / Desire Meiser „Die Trunkenen“
    1995, Theater Basel
  • Barbara Frey nach Silvia Plath „Ich kann es besonders schön“
    1993, Theater Basel