Begüm Erciyas

Dieter Hartwig „Eine Spekulation“ (2014)Dieter Hartwig „Eine Spekulation“ (2014)
Dieter Hartwig „Eine Spekulation“ (2014)

Video: „Ballroom“ Trailer (6')

Während ihres Studiums der Molekularbiologie und Genetik in Ankara, wurde Begüm Erciyas Mitglied von [laboratuar], einer Performing Arts Recherche- und Projektgruppe. Im Anschluss an die Universität absolvierte sie ihr Tanzstudium am SEAD Salzburg. 2006 erhielt Begüm Erciyas das DanceWeb Stipendium. Seitdem ist sie aktives Mitglied im Künstlernetzwerk Sweet and Tender. Neben den Projekten des Netzwerkes, entwickelt sie eigene Stücke, u.a. Ballroom (2010), The Lake (2011), MATCH (2011), this piece is still to come (2012) und Eine Spekulation/ A Speculation (2014).

2007/08 erhielt sie ein neunmonatiges Residenzstipendium der Akademie Schloss Solitude. Außerdem war Begüm Erciyas 2009 Residenzchoreografin im K3- Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg und in der TanzWerkstatt Berlin 2011. 2014 ist sie Stipendiatin in der Villa Kamogawa in Kyoto.
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Kurzporträt

Dieter Hartwig „Eine Spekulation“ (2014)Ein Tischtennisball tritt auf, durchquert einsam den Raum, verschwindet in der gegenüberliegenden Gasse. Überraschung geglückt. Mutig, möchte man fast sagen. Denn wer würde schon annehmen, dass rollende, hüpfende, von der Decke stürzende Ping-Pong-Bälle, zuerst vereinzelt, dann in Schwärmen, am liebsten in Quartett-Formation, eine derart poetische Kraft entfalten könnten? Es ist anzunehmen, dass Begüm Erciyas’ Interesse am Verhalten elementarer Teilchen unter kontrollierten Bedingungen ursprünglich von ihrem Studium der Molekularbiologie herrührt.

„Ping Pong“: Bereits der Wortklang des Titels suggeriert Bewegung, vermittelt Sinnlichkeit, benennt dennoch bloß einen konkreten Gegenstand. Doch genau dieses Spannungsfeld zwischen Wahrnehmung, Suggestion und Objektbezogenheit versteht die Choreografin, die sich selbst meist von der Bühne fern hält, auszuleuchten. Natürlich treten in ihren Stücken auch Menschen bzw. Tänzer auf. Als Stellvertreter für abwesende Gegenstände, wie in „Match “, die uns auf kuriose Weise glauben machen, Verkörperung von etwas anderem zu sein. Noch einen Schritt weiter geht Begüm Erciyas in ihrem Stück „The Lake“, das Methoden der Hypnose verhandelt und deren Anwendung auf der Bühne vorführt. Inwieweit ist der Zuschauer bereit zu glauben, was ihm unterhaltsam suggeriert wird? Abwesenheit bekommt in messerscharf kalkulierten Arrangements ein poetisches wie auch ein magisches, mitunter gar utopisches Moment.
Irmela Kästner
(aus ProgrammBUCH Tanzplattform Deutschland 2012)


In meinen letzten Arbeiten ist das Theater ein Ort für Spiel um Repräsentation, Vorstellungskraft und Glaube. Die Performer oszillieren zwischen Subjekt und Objekt, Entschlossenheit und Zweifel, Überzeugtheit und Lächerlichkeit.
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