Susanne Linke

'Ruhr-Ort', © Bettina Stöß
'Ruhr-Ort', © Bettina Stöß


Susanne Linke erhielt ihre Tanzausbildung bei Mary Wigman in Berlin, bevor sie an der Folkwang Hochschule in Essen studierte und dann Tänzerin im Folkwang Tanz Studio unter der künstlerischen Leitung von Pina Bausch war. Seit Mitte der 1980er-Jahre verfolgte sie ihre internationale Solokarriere als Tänzerin und Choreografin. Anfang der 1990er-Jahre wurde sie Artist-in-Residence des Hebbel-Theaters in Berlin (heute HAU Hebbel am Ufer).
Von 1994 bis 2000 war sie Leiterin des Tanztheaters am Bremer Theater. 2000/01 war sie Mitgründerin des Choreographischen Zentrums Essen und wurde dessen künstlerische Leiterin. Ab 2001 arbeitete Susanne Linke wieder als freischaffende Choreografin und Tänzerin. Seit der Spielzeit 2015/16 ist Susanne Linke künstlerische Leiterin der Sparte Tanz am Theater Trier.
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Kurzporträt

Susanne Linke ist eine erfahrene Grenzgängerin. Lange bevor es eine Gender-Debatte gab, hat sie das Androgyne fasziniert: wie die männlichen und weiblichen Anteile in jedem einzelnen Körper arbeiten – egal ob Mann oder Frau. Wie sie im Widerstreit miteinander liegen und um Balancen ringen.
Entsprechend ist Ambivalenz ein Schlüsselbegriff zum Verständnis ihrer Arbeit. Stets scheint sie eine Wendung zum Besseren für möglich zu halten, Ende offen. Mit feiner Ironie weist sie in ihren Stücken darauf hin, dass nichts so ernst ist, wie es scheint. Dabei hat sie ihre Arbeitsweise mit den Jahren immer weiter perfektioniert. Stets folgt sie einem Ziel: Transparenz herzustellen, in einem ganz physischen Sinn.

Intensiv befragt sie jedes ihrer Bewegungsmotive, wendet es um, prüft, verwirft, beginnt von Neuem. Es ist ein Vorgang, in dem jede Bewegung geschliffen wird, bis am Ende jede feinste Verästelung aufgespürt ist, bis man genau erkennen kann, welchen Weg eine Emotion durch den Körper nimmt. Eine Durchsichtigkeit wird hier gesucht, die die Zuschauerinnen und Zuschauer erkennen lässt, welch feinnerviges und bewegungsintelligentes Medium der Körper ist: aktives choreografisches Denken in Bewegung. Jedes Mal und jedes Mal anders treibt Susanne Linke ihre choreografischen Themen in eine gekonnte Abstraktion, die zwar im Konkreten ansetzt, doch aus der Höhe der geschliffenen Form vielfältig assoziierend auf die Wirklichkeit zurück scheint. Das ist eine ebenso hohe wie rare Kunst.
Norbert Servos

Produktionen seit 2014

Mistral (2014) Co-choreographer: Koffi Kôkô

Ruhr-Ort (1991/2014)

Nemmokna (2016)