Martin Nachbar

'Animal Dances', © Gerhard F. Ludwig
'Animal Dances', © Gerhard F. Ludwig


Video: „Repeater – Tanzstück mit Vater“

Martin Nachbar studierte in Amsterdam, New York und Brüssel. Neben über 20 Stücken hat er seit 2000 mehrfach über seine Arbeit geschrieben und an Institutionen wie der School for New Dance Development (SNDO), dem Hochschulübergreifendem Zentrum Tanz Berlin (HZT), der Salzburg Experimental Academy of Dance (SEAD), P.A.R.T.S. und dem LABAN Dance Centre unterrichtet.

Martin Nachbar arbeitet gerne mit anderen Künstlern zusammen und versteht seine Praxen immer auch in Relation zu seinen Kollegen. Dazu gehören u. a. der Dramaturg Jeroen Peeters, der Musiker Boris Hauf, die Kostümbildnerin Marion Montel, die Lichtdesigner Wassan Ali und Bruno Pocheron und die Tänzer/Choreografen Ehud Darash, Noha Ramadan und Jochen Roller.

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Kurzporträt

»Höchst liebevoll und aufmerksam muss der, der spaziert, jedes kleinste lebendige Ding, sei es ein Kind, ein Hund, eine Mücke, ein Schmetterling, ein Spatz, ein Wurm […] studieren und betrachten.« (Robert Walser, »Der Spaziergang«)

Der Spaziergänger geht durch die Welt. Er lässt sich ansprechen, ablenken, überraschen. Er traut sich, »ich« zu sagen, denn er spürt, dass es eine Welt außerhalb seiner selbst gibt, die unendlich groß und vielseitig ist. Er weiß: Sein Weg ist gleichzeitig Um-, Ab-, Seiten-, letztlich aber auch Heimweg. Er spürt seine Füße auf dem Boden, nimmt den Wind auf seiner Haut wahr. Wieder zuhause, zeichnet er den Weg des vergangenen Tages in die Karte ein. Insofern ist Martin Nachbar von Beruf Spaziergänger. Als Choreograf interessiert ihn der Körper auf seinem Weg durch unterschiedliche Erinnerungs- und Erlebnisräume, als vielfach bezügliches Archiv der leiblichen Erfahrung.

In »The Walk« lädt er das Publikum ein, ihm auf eine Runde um den Block zu folgen – die heimatliche Erde mit den eigenen Schritten umzugraben. »Repeater – Tanzstück mit Vater« wandelt durch die Zeiten zweier Menschenleben, auf der Suche nach den leiblichen Spuren von Kindheit, Familie und Herkunft. »Animal Dances« erprobt Verhaltensweisen von Tieren, um gerade so das Menschliche aufzuspüren, das hier nicht als anthropozentrische Setzung, sondern als Resultat eines heterogenen Werdens erscheint. Seine szenischen Expeditionen begleitet Nachbar als Essayist, Kartograf und Chronist. Zurzeit promoviert er in Hamburg – zum Thema Gehen.
Laura Strack


Für mich ist der (mit)fühlende, sich (mit)bewegende und (mit)denkende Körper Vehikel der Arbeit und Fokus der Inszenierungen – auch wenn andere Medien ins Spiel kommen. Choreografie ist das Einspannen des Körpers in unterschiedliche Praxen und Kontexte in Bezugnahme auf ein Publikum.
Martin Nachbar

Tourneefähige Produktionen

»Animal Dances« (2013)
5 Performer, Bühne 10 x 10 m, 70 min

»The Walk« (2012)
5-6 Performer, outdoor project, ca. 60 min

»Urheben Aufheben« (2008)
solo, Bühne 10 x 10 m, 50 min

»Repeater – Tanzstück mit Vater« (2007)
2 Performer, Bühne 10 x 10 m, 55 min

»ja, ja – der dritte mann« (2004)
2 Performer, Bühne 10 x 10 m, 30 min