Ramirez/Hillebrand

„Gemeinsam einsam“ heißt das meist gespielte Duo von Sébastien Ramirez und Raphael Hillebrand, eine getanzte Reise durch die Mysterien von Mythologie und Urbanität. Dessen Keimzelle war ihr erstes, kurzes Duo „The Mask“. In beiden Stücken tragen sie Masken, dank derer sie der Rationalität entfliehen und in das Reich der Geister und Dämonen eindringen. Eine weiße Maske als Botschafterin des Unterbewusstseins, des Verdrängten und der Fantasien umschwirrt Hillebrand. Geschmeidig wie Tiger, unberechenbar, übermenschlich, übernatürlich verwandeln sie sich in Fabelwesen. So geht ihr Spiel über den ursprünglichen Zustand des Hip Hop, in dem ein B-boy oder B-girl sich selbst präsentiert, weit hinaus. Breakdance verbindet sich mit schamanischen Ritualen und öffnet diesen einen Tunnel zu den Straßen der modernen Stadt. Da scheint es wenig erstaunlich, wenn sich beide auf den Weg nach Asien machen. In Indonesien, Kambodscha und Vietnam arbeitete Ramirez bereits, mit dortigen Hip-Hop-Kompanien und auch Straßenkindern. Die kamen aus Phnom Penh und trafen auf Tänzer aus Hanoi. Der Weg nach Asien führte über eine Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und dem Produktionsbüro Moov’n Aktion. So wurde Hanoi fast zu ihrer zweiten Heimat: Ramirez und Storm 2007 mit der Kompanie BigToe in „Xe Co“, Ramirez und Hillebrand 2008 für „Nieu Mat“. Und weil sie zwei Länder im Herzen Europas repräsentieren, arbeiteten das Goethe-Institut und das Centre Culturel Français gemeinsam. Was auch immer Hillebrand und Ramirez anpacken, es steht im Zeichen der Begegnung der Kulturen. Die Techniken des Hip Hop, von Breakdance bis Locking, sind ihre gemeinsame Plattform. Ramirez bringt zusätzlich brasilianische Capoeira ein, und Hillebrand Akrobatik. Ihre Zusammenarbeit ist so multikulturell wie die reale Welt von morgen. Auf ihre nächsten gemeinsamen Projekte darf man deshalb gespannt sein.

Thomas Hahn