Niels „Storm“ Robitzky

'28 Jahre in 28 Minuten'  © Foto: Dirk Korell
"28 Jahre in 28 Minuten" Foto: Dirk Korell


Video: „28yrs, 28mns“
Video: „2storm 2012 week 05“

Storm, Tänzer und Choreograf, vertiefte sich als Autodidakt in den 1980er Jahren in die Techniken des B–Boying, Locking und Popping. Mit seiner ersten Kompanie Battle Squad durchreiste er die Welt. Bühnenauftritte folgten bei der US-amerikanischen Formation Ghettoriginal von 1992 bis 1995.

Seit 1993 lebt der Norddeutsche Storm in Berlin. Dort gründete er 1996 mit Jazzy Lee die Kompanie The Storm & Jazzy Project, die bis Ende der 1990er Jahre in Theatern und auf Festivals in ganz Europa präsent war. Seitdem arbeitet er frei.
Storm hat zahlreiche Kreationen und Auftragsarbeiten realisiert, so die Choreografie für die Eröffnungsgala der Expo 2000 in Hannover und ein breites Repertoire von Ensemble- und Soloproduktionen.

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Kurzporträt

Tanzen kann nur, wer versteht, wie Bewegungen funktionieren. Ich beobachte die Menschen und ihre Rhythmen, die Dinge und ihre Bewegungen - und versuche daraus Tanz zu machen. Außerdem beobachte ich auch mich täglich, meine Bewegungen, meine Mimik, meine Gesten, mein Verhalten; und auch meine Mitmenschen. Das hilft mir, Stimmungen besser zu analysieren und auf die Bühne zu projizieren. Das bedarf natürlich auch einer großen Neugierde. Typisch ist für mich, daß ich an einem Buch lese, und nach 20 Zeilen schon nur noch unterbewußt weiterlese, weil ich abgleite in meiner Phantasiewelt, als würde ich der Geschichte, oder dem Gelesenen, einen anderen Weg geben.
Niels "Storm" Robitzky

Es war sein letztes Solo, ein selbstironischer Rückblick in eine spannende Zukunft. In „28 Jahre, 28 Minuten“ erzählt Storm vom Elternhaus in Eutin, wo die laute Musik seine Mutter ärgerte und er selbst nur Niels Robitzky hieß, von seinen Reisen nach New York, Paris und anderswo. Dazwischen lagen etliche Wohnungswechsel in Berlin und allerlei Verletzungen, wie bei Tänzern üblich.

Aus dem versessenen B–Boying-Weltmeister wurde ein vollendeter Künstler, dessen Blick auf sich selbst von amüsierter Ironie geprägt ist. Schon 2009 kokettierte er zu Bizet, Grieg und anderen Gassenhauern der Symphonik und kam bei Bach ausser Atem. Früher tanzten die B-Boys in weitärmeligen Sweatern. Heute hinterfragen sie ihren Körper und dessen Bewegungspotential und Storm ist ein gefeierter Vermittler zwischen den Welten der Battles und jenen Hip-Hoppern, die besonders in Frankreich keine strengen Genregrenzen zwischen Ballett oder zeitgenössischem Tanz sehen und sich mit Kunstgeschichte auseinandersetzen. Auch das Publikum hat dort inzwischen eine Reife erlangt, die es ein Gesamtwerk ebenso wie athletische Kabinettstückchen goutieren lässt.

Von Paris bis Montpellier ist Storm ein Idol der französischen Szene, wie auch sonst weltweit und gerade in São Paulo, wo er mit der Kompanie Discípulos do Rítmo eine intensive Partnerschaft eingegangen ist. Auch in Abidjan und Hanoi choreografierte er für dortige Kompanien. In Deutschland muss er dagegen noch oft um Anerkennung in der subventionierten Kulturszene kämpfen. Uns erwartet ein Storm, der sich voll auf das choreografische Schaffen konzentrieren und sich eventuell wieder einmal neu erfinden wird.

Thomas Hahn

Tourneefähige Produktionen

28 Jahre in 28 Minuten (2011)
solo – Bühne 10 x 12 x 8 m – 28 min

Storm…in klassischem Kontext (2008)
solo – Bühne 8 x 8 x 6 m – 20 min

Virtuelevation –
Aufzug mit Tiefsinn zum Hochmut zum Fall
(2006)
solo – Bühne 10 x 11 x 8 m – 30 min

Solo for Two (2001)
solo – Bühne 8 x 12 x 8 m – 30 min